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Blaualgen oder Cyanobakterien

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Ein sehr ausführlicher Bericht über „Blaualgen” (Cyanobakterien)

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„Blaualgen” sind ein großes Problem in der Aquaristik, deshalb habe ich sie von den normalen Algen abgekoppelt und ihnen hier eine eigene Seite gegeben.

Zu meinen Blaualgen-Erfahrungen aus einigen Jahrzehnten kommen noch die speziellen Versuche, die ich ab Sommer 2007 bis Herbst 2008 gemacht habe. Somit möchte ich sagen, daß ich inzwischen bei der ganzen Blaualgengeschichte und auch bei der Bekämpfung derselben recht gut durchblicke.
Es geht hier ganz speziell darum, wie sich „Blaualgen” (Cyanobakterien) in Süßwasseraquarien verhalten und wie man sie hier bekämpfen kann. Mit Cyanobakterien in der Natur und in Seewasser habe ich keine Erfahrung.
 

Kurzfassung der Bekämpfungsmöglichkeiten, für sehr eilige Leser
Blaualgen oder auch Cyanobakterien, ein allgemeiner Überblick
Zwei verschiedene Vorkommen von Blaualgenteppichen
Woran kann man Blaualgen erkennen?
Bekämpfungsmethoden, eine Übersicht
Die einzigen wirklich funktionierenden Bekämpfungsmethoden
Dunkelkur, aber richtig
Für fortgeschrittene Aquarianer, aber bitte NUR für Fortgeschrittene
Eine tatsächlich wirksame Methode mit „guten Bakterien”, Versuche mit einem 60er
Bekämpfungsmethoden welche nicht funktionieren
   Blaualgenbekämpung mit Wasserstoffperoxyd
   Blaualgenbekämpfung mit Kaliumpermanganat
   Blaualgenbekämpfung mit Ozon
   Blaualgenbekämpfung mit UV-Strahler
   Blaualgenbekämpfung mit UV und Diatom kombiniert
   Blaualgenbekämpfung durch rotes Licht
Sind Blaualgen giftig?
Spirulina, die berühmte Alge
Stinken Blaualgen immer?
Blaualgen und niedriger Redoxwert, angeblich vertragen Cyanobakterien keinen niedrigen Redoxwert
Betaisadona®, Polyvinylpyrrolidon-Jod, kurz PVP-Jod, wirksam, aber gefährlich
Blaualgen und hoher Nitratwert
Blaualgen und hoher Phoshatwert
Zusammenfassung

 

Kurzfassung der Bekämpfungsmöglichkeiten
Hier die besten Bekämpfungsmöglichkeiten in Kurzfassung.
Die beste und einfachste Methode ist eine sogenannte Dunkelkur. Hierbei wird für einige Tage - 4 bis 7 - die Beleuchtung ausgeschaltet und das Aquarium gegen einfallendes Licht abgedunkelt. Diese zusätzliche Abdunklung ist für den Erfolg sehr wichtig.
Ansonsten kommen noch Antibiotika und eine Impfung mit geeigneten „guten” Bakterien in Frage.
Da die Methode mit den „guten Bakterien” aber nicht so schnell zu erklären sind lasse ich sie hier weg. Sie ist weiter unten genau beschrieben.
Für die interessierten Aquarianer geht es unten weiter. lachen-transp

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Grundsätzliches oder ein allgemeiner Überblick
Blaualgen_an_Lava_ThZwar gehören die schmierigen blaugrünen Beläge, die allgemein als „Blaualgen” bezeichnet werden inzwischen sicher zu den Cyanobakterien und sind somit keine „Algen”, ich werde diese Art aber weiter mit dem eingebürgerten Namen „Blaualgen” bezeichnen - da weiß jeder was gemeint ist!
Es gehören nämlich z.B. die „Algen”, welche die Wasserblüten im Meer verursachen auch zu den Cyanobakterien, genauso wie die die bekannte Spirulinaalge.


Es gibt sehr viele verschiedene Cyanobakterien. Sie sind überall auf der Welt verbreitet. Laut Hans G. Schlegel (Mikrobiologie) sogar in sauren heißen Quellen. Das Buch ist sehr interessant. Ich habe noch ein zweites Buch über Mikrobiologie von Wolfgang Fritsche, da steht auch einiges über Cyanobakterien drin.  Sollte jemand weitergehendes Interesse an diesen Bakterien - und überhaupt über Mikrobiologie - haben, so sollte er sich eines dieser Lehrbücher besorgen.

Ich nenne hier keine lateinischen Namen dieser Bakterien. Das liegt daran, daß ich die korrekte Art nicht selber bestimmen kann. Natürlich könnte ich mir den Namen von einem Institut besorgen oder noch bequemer aus einem der Bücher abschreiben. Das ist aber nicht meine Art!
Lateinische Namen sind wichtig um z.B. Fische und Pflanzen korrekt benennen zu können. Ich habe somit natürlich nichts gegen lateinische Namen, ich verwende sie auch - wo sie notwendig sind! Nur wenn sie zur reinen Angeberei verkommen finde ich das nicht mehr so gut.
Man kann aber sicher sein, daß ich diese Plagegeister von „normalen” Algen unterscheiden und sie auch jederzeit „wiedererkennen” kann.

Allgemeines
Es scheint mir prinzipiell so zu sein, daß Blaualgen immer dann auftauchen, wenn die Pflanzen nicht optimal wachsen oder anders - wenn die Pflanzen keine optimalen Bedingungen haben oder das Aquarium eben kein „gutes Aquarium” ist. In wirklich gut funktionierenden Aquarien habe ich noch nie Blaualgen gehabt oder gesehen, aber z.B. schon mal in einem sehr sauberen 150er in der Anlage. Da waren sie sogar sehr hartnäckig und ich konnte sie nur mit sehr viel Kaliumpermanganat UND Wasserstoffperoxyd zusammen umbringen. Das war ein leeres Aquarium ohne Einrichtung oder Bodengrund! Mehrmalige 100%ige Wasserwechsel haben den Blaualgen nicht geschadet, eher im Gegenteil. In dem Aquarium waren bei der Bekämpfung der Blaualgen keine Fische.
Es gab auch mal eine Zeit, wo in vielen Becken Sumatrafarn auf der Wasseroberfläche schwamm. Da hatten wir gleich in mehreren Becken Blaualgen an den Schwimmpflanzen. Eben durch hängengebliebenes Fischfutter - siehe nächsten Absatz.

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Zwei verschiedene Vorkommen oder Formen von Blaualgenteppichen.
Blaualgen können im Aquarium mindestes auf zwei verschiedene „Arten” vorkommen. Zum einen die Beläge, welche im Extremfall den ganzen Boden samt Einrichtung überziehen können und ein weitaus harmloserer auf engen Raum begrenzter Befall an der Wasseroberfläche. Die zweite „Art” Blaualgen entsteht, wenn Pflanzen an derBlaualgen_von_Oberfläche_Th Wasseroberfläche liegend wachsen, hier zu wenig Wasserbewegung stattfindet und dazu noch auf die Wasseroberfläche gestreutes Trockenfutter an diesen Stellen hängen bleibt - und vergammelt. Es entsteht dadurch ein Minibiotop wo sich sehr gerne Blaualgen ansiedeln. Diese „Art” ist aber eher harmlos, da diese Bakterien ja nur an ihnen zusagenden Stellen existieren können. Entfernt man den Blaualgenherd samt Pflanzen, so ist es in der Regel erledigt, da in dem restlichen Aquarium ein völlig anderes Milieu herrscht, welches den Blaualgen nicht zusagt. Auf dem Bild rechts ist so ein Befall samt anhängenden Vallisnerien auf dem trockenen fotografiert. Nachdem der ganze Herd entfernt war entwickelten sich keine neuen Herde mehr. Das Aquarium blieb sauber.
Es handelt sich hier natürlich nicht um zwei verschiedene Bakterienarten, es sind nur zwei verschiedene Vorkommensvarianten, die Bakterienart ist die selbe!

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Woran kann man Blaualgen erkennen
Normale Algen „fischeln” nur wenig oder gar nicht, Blaualgen haben dagegen einen recht „strengen” Geruch. Wenn man weiß wie sie riechen kann man sie schon erkennen, wenn man die Nase über das Aquarium hält. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal gegenüber normalen Algen ist auch, daß der Blaualgengeruch ziemlich hartnäckig an den Händen haften bleibt, oft selbst dann noch wenn man sich die Hände gewaschen hat. Natürlich muß man sie vorher angefaßt haben! Eine sichere Methode besteht darin, einen Blaualgenherd in einen sauberen Behälter abzusaugen. Wenn es Blaualgen sind, haben sie sich am nächsten Tag - mit Licht - etwas ausgebreitet, siehe Foto. Die dunkelgrünen Flecken sind „original”, die hellgrünen haben sich nach 24 Stunden entwickelt. Sind es dagegen „normale” Algen, so sehen sie am nächsten Tag noch genauso aus. Das funktioniert nicht nur IM Wasser, sondern auch auf nassem Betonboden! Da vermehren sich diese Plagegeister auch! Jedenfalls kurze Zeit.

 
Blaualgenherde_Eimer_Th

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Bekämpfungsmethoden
Übersicht
Grundsätzlich gilt: Bevor man irgend etwas bekämpfen will muß man sich darüber klar werden womit man es zu tun hat. Man muß den „Gegner” kennen - je mehr man über ihn weiß desto besser! Gilt übrigens prinzipiell und immer!  lachen-transp
Bei den „Blaualgen” in der Aquaristik hat man es mit Bakterien zu tun, welche auf der ganzen Welt verbreitet sind und die zum überleben Licht benötigen. Etwas erschwerend ist, daß diese Bakterien „überall” sind und deshalb ein Befall immer erfolgen kann. Wahrscheinlich sind die Bakterien in sehr vielen Aquarien latent vorhanden, sie „kommen nur nicht zum Zuge”. Ein sichtbarer Befall erfolgt nur dann, wenn die Bakterien ihnen zusagende Bedingungen vorfinden und wenn zusätzlich die vorhanden positiven Bakterien durch irgendwelche Umstände so geschwächt sind, daß sie die Invasion dieser Cyanobakterien nicht aufhalten können. Das ist auch der Grund, warum man ihr Vorhandensein nicht messen kann! Sie kommen bei allen möglichen Wasserwerten vor. So sind in vielen Becken nach einer Veränderung des Milieus zum positiven die Blaualgen von alleine wieder verschwunden. Ohne daß die meßbaren Wasserwerte geändert worden wären.
Somit sind wir bei der Blaualgenbekämpfung schon einen großen Schritt weiter: Das Aquarium darf den Bakterien nicht gefallen! Gefällt es ihnen doch, so muß man es insoweit umbauen, daß es ihnen eben nicht mehr gefällt. Das ist die Bekämpfung auf lange Sicht! Hat man bereits Blaualgen im Aquarium, so muß man sie zuerst ein mal umbringen. Und wie bringt man Bakterien um? Mit Antibiotika oder eben anderen Bakteriziden. Das ist zwar immer noch eine sehr sichere Methode, aber eben nicht immer und unbedingt empfehlenswert. Man bringt dabei nämlich neben den „bösen” auch die „guten” Bakterien um. Genau genommen ist es im Fall Blaualgen aber gar nicht soo schlimm, da es mit den „guten Bakterien” in solchen Aquarien meistens nicht so weit her ist. Sonst wären ja keine Blaualgen da!
Da diese Cyanobakterien aber auch Licht zum überleben benötigen, ergibt sich noch eine andere Bekämpfungsmethode: Man nimmt ihnen das Licht weg!
Beide Methoden funktionieren gut, bei starkem Befall sind sie immer noch die besten, wenn nicht die einzigen wirksamen Maßnahmen. Nur bekämpft man damit die Wirkung und nicht die Ursachen. Und bekanntlich ist es intelligenter die Ursachen abzustellen denn die Wirkung.

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Die einzigen wirklich funktionierenden Bekämpfungsmethoden:

Dunkelkur
Allgemein wird gegen Blaualgen eine „Dunkelkur” empfohlen, sie hilft fast immer. Nur nicht 100%ig auf Dauer und bei allen Aquarien. Es kommt auf die Umstände an! Wenn das Aquarium in Ordnung ist und die Blaualgen mit Pflanzen oder Einrichtungsgegenständen eingeschleppt worden sind funktioniert sie mit Sicherheit. Dann reichen meistens auch nur 4 Tage. Sitzt die Ursache aber tiefer und ist das ganze Aquarium vermurkst, so kann es durchaus vorkommen, daß die Blaualgen nach einigen Wochen wieder da sind!
Wenn man sich überlegt was bei eine Dunkelkur passiert, so leuchtet ein, daß man mit dieser Methode die Blaualgen durchaus los werden kann.

Versuch einer Erklärung:

  1. Zuerst muß man so viel Blaualgen wie möglich absaugen - damit man es mit weniger zu tun hat. Zudem soll die Masse der Bakterien weniger werden, da sie ja nach dem Absterben derselben das System Aquarium belastet.
  2. Danach möglichst viel Wasser wechseln - damit weniger Bakterien im freien Wasser sind. (Im freien Wasser sind bekanntlich fast keine Bakterien, aber sicher ist sicher!)
  3. Filter reinigen - damit auch da weniger Bakterien sind - und das System neben dem abdunkeln nicht auch noch durch einen „unsauberen” Filter belastet wird. Den Filter aber nicht „sterilisieren”, sondern nur reinigen, also unter fließendem Wasser - temperiert oder kalt - ausdrücken!
  4. Dann abdunkeln, falls zu viel Licht von außen einfällt, auch die Seiten abdunkeln - damit den Bakterien die Lebensgrundlage entzogen wird. Darauf achten daß die Fische nicht zum japsen anfangen, ev. Ausströmer oder Diffusor anbringen. Wenig oder gar nicht füttern.
    Ev. Nitrit messen. Dürfte aber bei einem eingefahrenen Aquarium nicht ansteigen. Also eher für Anfänger.
  5. Wenn keine Blaualgen mehr zu sehen sind Licht wieder anmachen. Sollte das Wasser zwischendurch trüb werden noch ein mal wechseln - auch zwischendurch.
  6. Und wieder Wasser wechseln, ev. auch den Filter etwas ausspülen - damit die inzwischen abgestorbenen Blaualgen aus dem System entfernt werden.

Fertig - und hoffen daß sie weg bleiben. Eventuell Milieu des Aquariums optimieren.
Da ich letztens eine entsprechende Email bekommen habe:
Die Fische bleiben während der Dunkelkur im Aquarium. (Außer man ist ein Meister darin, Fische in einem eingewachsenen Aquarium zu fangen - ich bin es trotz sehr viel Training und guter Leistungen nicht - und hat ein eingelaufenes größeres Aquarium parat! Also keine Wanne o.ä. !!)
Und das „Beleuchtungssystem” wird natürlich auch ausgeschaltet, sonst wird es ja nicht dunkel. zwinkern-transp_neu
Manchmal weiß ich tatsächlich nicht mehr, ob man da noch darüber lachen kann, oder ob das nur noch traurig ist! sad-transp
 

Natürlich muß das nicht so einfach funktionieren, es ist -fast- alles einfacher geschrieben als es in der Praxis ist !!! So habe ich bei einem meiner Versuche im letzten Jahr bei einem 150er auch 10 Tage nach „völliger” Verdunkelung noch etwas Blaualgen an einigen Anubiasblättern und an den Scheiben gehabt. Und nach gut 4 Wochen ging es wieder los. Da muß ich aber dazu sagen, daß es erstens ein ziemlich mieses Aquarium war und ich es zweitens nicht komplett abgedunkelt hatte. Es war ein Aquarium im Regal und da war nur die Beleuchtung ausgeschaltet, das Becken aber nur von vorne und nicht von oben und seitlich abgedeckt. Es kam also durchaus noch Licht hinein.
Ein sehr guter Indikator ob die Algen/Bakterien hinüber sind ist der Geruch. Der muß - wie weiter unten geschrieben - nicht unbedingt „widerlich” sein. Aber jedenfalls ist er nach der Dunkelkur anders als vorher. Wenn es denn funktioniert hat! Es „fischelt” weniger.
Auch möchte ich bemerken, daß eine Dunkelkur nicht ungefährlich sein muß, ich habe dabei in einem 150er (also größeres Becken) auch schon 6 ausgewachsene Cambarellus patzcuarensis umgebracht. Möglicherweise war da die abgestorbene Bakterienmasse zu groß, also wirklich vorher alles erreichbare absaugen!

Erklärung zu dem bei mir durchaus normalen Ausdruck, daß man  Fische - oder wie in diesem Fall Krebse -  „umgebracht hat”: Seit meiner Arbeit bei dem Münchner Importeur (um 1965) ist es bei mir üblich, daß man Fische, an deren Tod man „nicht ganz unschuldig” war „umgebracht” hat. Hätte man den Tod der Fische irgendwie verhindern können, so sind sie nicht einfach „gestorben”, sondern man hat sie eben „umgebracht”. Hört sich hart an und ist natürlich auch undiplomatisch  - aber wenigstens ehrlich! Und entspricht genau genommen auch den Tatsachen!
Bei dem Beispiel Cambarellus hätte ich besser kontrollieren und es vorher merken müssen! Zwar war es ein sehr verwachsenes großes Becken - aber trotzdem ...

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Für fortgeschrittene Aquarianer, aber bitte NUR für Fortgeschrittene:
Wenn das Aquarium und der Filter sauber ist und das Becken nur wenig vermulmt ist kann man es auch bedeutend einfacher machen und das Aquarium ohne große Vorbereitungen verdunkeln. So hatte ich letztens bei einem neu eingerichteten Becken einige durch Pflanzen eingeschleppte Blaualgenherde. Das soll man natürlich nicht machen, man soll nur saubere, einwandfreie Pflanzen verwenden, aber ich mache öfter solche „Dummheiten” - eigentlich immer absichtlich - woher sollte ich sonst wissen ob etwas funktioniert oder nicht! zwinkern-transp_grau
Es war nur ein schwacher Befall, aber das tägliche Absaugen hat mich genervt und so habe ich das Aquarium mit Pappkarton eingepackt. Das komplette Becken muß lichtdicht sein! Also rundum einwickeln, das geht auch mit einer lichtdichten Decke ganz gut. Wichtig ist dabei auch, daß man für eine gute Sauerstoffversorgung der Fische sorgt, schließlich produzieren die Pflanzen im Dunkeln keinen Sauerstoff - sie verbrauchen selber welchen! Also entweder den Filtereinlauf über die Wasseroberfläche legen, Diffusor anbringen oder - als schlechteste Möglichkeit - einen Ausströmer installieren. Damit man das Aquarium trotzdem kontrollieren kann, habe ich ein Guckloch mit Klappe ausgeschnitten.
Die Kontrolle geht dann so: Licht anmachen - Klappe auf - kontrollieren - Licht wieder aus - Klappe zu - Ende.
In diesem Fall waren die Blaualgenherde schon nach 2 Tagen verschwunden, nach genau 4 Tagen habe ich die Verdunkelung entfernt. Es hat den Pflanzen nicht geschadet, nur waren die Triebspitzen und die neuesten Blätter ziemlich hell geworden.
Warum ich keinen Weiherschlamm genommen habe? Der Weiher ist seit Wochen - oder sind es bereits über zwei Monate? - leider zugefroren (Februar 2009). sad-transp

160er_mit_Karton_Th160er_mit_Karton_Guckloch_Tmp










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Eine nachhaltig wirksame Bekämpfung mit „guten Bakterien”
Es ist mir immer schon aufgefallen, daß Blaualgen nur in „nicht so richtig funktionierenden” Aquarien aufgetaucht sind. Speziell die Becken mit dauerhaft schwachem Befall hatten immer irgend einen Haken. Entweder einen offenen Filter unter dem Aquarium mit sprudelndem Einlauf oder einen Rieselfilter, total falsche Strömung im Becken oder spärlichste Bepflanzung oder irgend etwas anderes.
(Rieselfilter funktionieren nur bei starker Belastung gut , meistens sind sie nur wirkungsvolle Dekoration, kommt irgendwann auch noch dran lachen-transp)
Jedenfalls habe ich NIE Blaualgen in einem Superaquarium gesehen, sehr wohl aber in super-sauberen! Aber auch in vergammelten.

Da ich Ende Juli (2007) von einem Aquarianer netterweise Blaualgen geschickt bekommen habe, konnte ich etwas herumprobieren. Die Blaualgen waren60ccm_Weiherschlamm_Th hauptsächlich auf Perlonvlies „angewachsen”. Ich habe sie unter anderem auf verschiedene 30er mit frischem Wasser verteilt und ans Fenster gestellt. Dort haben sie sich gut entwickelt. Zufällig hatte ich kurz zuvor mein neues 60er (Aqualink Gewinn von Tetra, siehe Kommerz) eingerichtet. Da habe ich ein Vlies mit Blaualgen hinein gegeben. Es war nicht sicher, ob das relativ frische System mit den Bakterien fertig werden würde. So habe ich sicherheitshalber noch ein mal Weiherschlamm „nachdosiert”. Ich hatte bei der Einrichtung schon knapp 100ccm reinen Schlamm hinein gegeben. Schließlich war es ein nigelnagelneues Becken, das nicht ein mal sauber gemacht worden war!
Nachtrag: Der Ausdruck „Schlamm” ist wahrscheinlich nicht ganz korrekt, „Mulm” würde mir eigentlich besser gefallen. Der Unterschied: Schlamm ist für mich ein eher fester „Batz”, Mulm ist lockerer. Das sind mehr einzelne Flocken, Schlamm ist mehr zusammenhängend und „schmieriger”.

Foto links: Der Weiherschlamm (Teichschlamm), das ist richtiger „Dreck” vom Weiherboden, nicht gefiltert und nicht gereinigt.

Blaualgen_Vlies_total_1_ThBlaualgen_Vlies_ohne_Th











Fotos oben: Links das mit Blaualgen überzogene Vlies. Rechts das Vlies ohne Blaualgen.

60er_mit_Weiherschlamm_ThSo sieht ein 60er Aquarium aus, wenn man ca. 60ccm Weiherschlamm hinein geschüttet hat









60er_30.07.2007_ThHier ist das 60er nach dem Blaualgenversuch, es läuft gut.

Das System hat nicht ein mal 3 Tage gebraucht um das verseuchte Vlies sauber zu bekommen.






Praktische Anwendung
In der Praxis sieht die Bekämpfung so aus, daß man pro 100 Liter Aquariumwasser ungefähr 50-100ccm reinen Weiherschlamm ins Aquarium gibt. Da passiert nichts! Das Wasser wird danach wieder klar, meistens klarer als vorher! Man kann den Schlamm auch aus einem Bach oder sonst woher holen, nur muß es „lebender Schlamm” sein, also kein schwarzer stinkiger toter Dreck! Wenn man es umständlich haben will, so geht das auch mit dem uralten Rezept mit der „Walderde”: Walderde in ein Glas geben - Wasser aufgießen - gut umrühren - abstehen lassen - überstehendes Wasser ins Aquarium gießen - fertig. (Geht natürlich auch mit Gartenerde!) Da die erwünschten Bakterien laut Professor Dr. Meske überall sind, geht es auch mit Straßenstaub! So hat er seine Versuche mit den Karpfen angeimpft.
Meiner subjektiven Meinung nach dürften jedoch in Weiherschlamm mehr dieser Bakterien enthalten sein als im Rinnstein. Deshalb nehme ich seit langem „Weiherschlamm”. (Als Weiher wird hier im Bayerischen Schwaben und im restlichen Beyern ein „kleiner Teich” bezeichnet. Ob das woanders auch so heißt weiß ich nicht.)
Natürlich werden die Weiher-Bakterien über Nacht keine Wunder vollbringen können, man wird die Cyanobakterien weiterhin absaugen müssen. Aber die „Guten” werden den „Schlechten” das Leben schwerer machen und sie über kurz oder lang verdrängen!
Warnung an die messenden Spezialisten, durch den Schlamm wird der Nitratwert steigen, da muß man dann gleich wieder Wasser wechseln  -  dann ist es aber mit der positiven Wirkung dahin. Also ausnahmsweise 30 mg Nitrat gut sein lassen! lachen-transp


Zusammenfassung:
Es ist eigentlich ganz einfach: Man muß nur darauf achten, daß das System Aquarium auch funktioniert. Wenn es gut funktioniert gibt es keine Blaualgen! Das ist meine Erfahrung aus sehr vielen Jahren! Oder besser Jahrzehnten!
Interessanterweise gibt es keinerlei meßbaren Werte, welche Cyanobakterien anzeigen oder nicht. Hier ist die „sehende Aquaristik” wieder ein mal der „messenden” einen Schritt voraus! lachen-transp Damit meine ich natürlich nicht, daß man Blaualgen „sehen” kann - die sieht auch ein „nichtsehender” Aquarianer - sondern daß man sehen kann, daß das System nicht funktioniert.

Sollte das „System Aquarium” aus schwerwiegenden Gründen nicht funktionieren, so wird der Weiherschlamm auch nichts ändern können - oder nur kurzfristig - und das Aquarium wird über kurz oder lang wieder in den alten Zustand zurückfallen. Dann muß man eben überlegen wo der Haken liegen könnte!
Vielleicht kann ich es mit einem anderen Beispiel besser erklären. Zu Windows 3.11 (DOS) Zeiten machte das „System Computer” nach größeren oder auch kleineren Umbauten öfter Schwierigkeiten. Irgend etwas lief einfach nicht. Um die Ursache zu finden hat man damals alle nicht unbedingt benötigte Hardware und eventuell auch Software oder eben Treiber entfernt. Danach hat man alles der Reihe nach wieder eingebaut. So hat man schnell herausbekommen welches Teil die Störungen verursacht hatte.
Beim Aquarium ist es natürlich nicht so einfach. Aber wenn sich Blaualgen in einem Aquarium breitgemacht haben ist das immer ein Indiz für ein nicht funktionierendes „System Aquarium”. Man muß dann zuerst überlegen was falsch sein könnte und zuerst die Ursachen abstellen.
Wenn man in ein total vermurkstes Aquarium nur Weiherschlamm hinein gibt und meint „der soll mal machen”, dann wird er in diesem Fall nichts machen - können.
Der Weiherschlamm ist schließlich kein Wundermittel, sondern „nur” eine sehr gute „Bakterienmischung”. Treffen diese Bakterien jedoch auf ein völlig unzusagendes Milieu, so gehen auch sie zugrunde.

Ein neueres Beispiel. Hatte im letzten Jahr (2007) Blaualgen geschickt bekommen und damit allerlei Versuche gemacht. So hatte ich dann auch in einem 70er (72x62x35) mit Krebsen (CPO) einen kräftigen Blaualgenteppich. Weiherschlamm hat da - fast - nichts geholfen. Da konnte man sehr gut den „Kampf” der Bakterien beobachten. Morgens (nach der Dunkelheit der Nacht) hatten die Weiherschlammbakterien einige cm Boden gewonnen. Im Laufe des Tages mit Beleuchtung waren die Cyanobakterien wieder die Sieger. So ging das tagelang hin und her. Etwas zu Gunsten des Weiherschlamms. Aber er war kein wirklicher Sieger.
Nachdem ich alle Krebse und Einrichtungsgegenstände entfernt und das Wasser gewechselt hatte konnte man die Sache besser beobachten. Der Boden war nur noch an einigen Stellen mit einem Blaualgenteppich bedeckt. Es gab aber immer noch keinen eindeutigen Sieger.
Da mich das dann doch genervt hat habe ich mir etwas anderes einfallen lassen. Siehe weiter unten unter Betaisadona®.

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Die verschiedenen Bekämpfungsmethoden, in wahlloser Reihenfolge

Wasserstoffperoxyd (35%ig) und Kaliumpermanganat
Nachfolgende Absätze sind teilweise aus der alten Afizucht, nur etwas umgebaut.
Wasserstoffperoxyd (35%ig) alleine hilft offenbar nicht: In einem 70er habe ich mehrmals hintereinander 100 ccm gegeben: keinerlei Wirkung - außer (Sauerstoff)-Blasen. Dann habe ich 600 ccm, (sechshundert, das ist ein guter halber Liter!!!) gegeben - alles voller Luftblasen. Wirkung:  die Algen (oder Bakterien) sind nur heller geworden - sonst eigentlich gar nichts.

Fazit: Wasserstoffperoxyd alleine hilft überhaupt nicht.

Dann habe ich Kaliumpermanganat dazu gegeben. Erfolg: nach mehrmaligen kleineren Gaben sind die Blaualgen ganz hell und vernichtet. Kaliumpermanganat (in Verbindung mir Peroxyd) wirkt also. Und zwar wird das Wasser nicht rosa, wie wenn man es in sauberes Wasser gibt, sondern es entsteht auf der Wasseroberfläche eine Art Schaumteppich mit lauter Blasen, wenn ein Kaliumpermanganat-Kristall absinkt, dann bilden sich sofort Bläschen an ihm. Nehme an, daß das Sauerstoff ist. Jedenfalls ist das Wasser nicht rosa geworden, sondern klar geblieben. Das Kaliumpermanganat wurde nicht aufgelöst, sondern die Kristalle direkt aus dem Glas ins Aquarium „gekippt”. (Nachtrag: Es ist also eine sehr starke Konzentration gewesen).
Habe auch Blaualgen in einem 150er im Zuchtraum, sind „Yellows” drin. Gerade „abgefischt” und Kaliumpermanganat gegeben. Jetzt ist es wieder rot geworden - wie sonst auch. Es bleibt also offenbar nur klar, wenn viel Wasserstoffperoxyd da ist = Sauerstoff. Bin gespannt, ob die Blaualgen diesmal wieder verschwinden.
Sie sind verschwunden: aber nur mit Wasserstoffperoxyd und Kaliumpermanganat zusammen, nicht mit einem von beiden alleine. Und in extrem hoher Dosierung!

Zusammenfassung: Weder Wasserstoffperoxyd (Wasserstoffsuperoxyd) - selbst in hoher Dosierung, (600ccm auf 130 Liter netto!!) noch Kaliumpermanganat in größerer Menge alleine zeigt Wirkung, sondern nur beide Chemikalien zusammen. Somit ist diese Methode nicht praktikabel, so etwas geht nur in leeren Aquarien zur Desinfektion.
Beide Chemikalien produzieren auch in geringerer Dosierung Sauerstoff. Dadurch kann sich das Redoxpotential des Aquariums nach oben verschieben und somit das Milieu verändern. So kann theoretisch den Blaualgen die Lebensgrundlage entzogen werden. Das ist aber leider Theorie - in der Praxis funktioniert das nicht!

Es ist mal wieder wie so oft: Einer plappert vor - und die anderen plappern nach!
Alle diejenigen die Kaliumpermanganat oder Wasserstoffperoxyd empfehlen sollten die Wirkung besser mal selber ausprobieren! Natürlich mag es bei sehr schwachem Befall manchmal helfen - speziell wenn die Blaualgen auch so wieder von alleine weggegangen wären. Das ist zwar selten, kommt aber vor. lachen-transp_blau

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Blaualgenbekämpfung mit Ozon
Original Afizucht:
03.09.01, 130er-Schau hatte etwas Blaualgen, war sehr alt und genaugenommen vergammelt, Besatz WF-Skalare. Total neugemacht, Fische raus, Kies mit kaltem Wasser gespült, wenige Pflanzen wieder eingepflanzt, über Nacht Blaualgenherde am (feuchten) Boden in der Anlage. (Erklärung: Die Anlage hatte mehrere Abläufe, das Wasser wurde aus den Aquarien direkt auf den Boden laufen lassen). Gestern Ozon über Diffusor, keine Wirkung, stärkerer Ozongeruch. Jetzt langen Keramikausstömer (ist sehr fein) von Rebbie genommen, liegt am Boden.
Riecht fast nicht nach Ozon. Bis jetzt keine Wirkung, im Gegenteil, die Algenherde scheinen mehr zu werden. Werde sie letztendlich wohl mit Chloramphenicol niedermachen müssen.
22.03.02, habe sie dann abgesaugt und den Rest mit Chloro umgebracht, das funktioniert immer.
Fazit: Ozon hilft nicht.
Nachtrag: Wenn Ozon nicht geholfen hat, so kann ein sogenannter „Oxydator” (http://www.afizucht.de/html/geraete.html#Oxydator) natürlich auch nicht helfen. Begründung: Ozon wie auch Wasserstoffperoxyd (Oxydator) erhöhen das Redoxpotential, und zwar ist Ozon da bedeutend effektiver oder eben stärker in der Wirkung. Wenn nun Ozon schon keine Wirkung hat, so natürlich ein Oxydator erst recht nicht.

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Blaualgenbekämpfung mit UV
Original Afizucht
hatte in 150er im Zuchtraum UV-Strahler von T.  gegeben, die Wirkung war gleich 0. Es hat sich nichts geändert.
Das ist deshalb interessant, da das ein UV-Strahler für Gartenteiche mit 11 Watt (?) ist. Er ist von Tetra und heißt Tetrapond oder so.
Fazit: UV-Strahler hilft auch nicht.

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Blaualgenbekämpfung mit UV und Diatom kombiniert
Da die ganze Angelegenheit eine längere Geschichte war hier nur das Ergebnis: Eine völlig neue 18Watt-UV-Lampe plus nachgeschaltetem größerem Diatomfilter haben keinerlei Wirkung erzielt. Es waren in dem Becken zwar wenig Bakterienherde, aber auch diese wenigen sind nicht verschwunden.
Fazit: UV-Strahler und Diatomfilter hilft nicht.

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Blaualgenbekämpfung durch rotes Licht
Da wir vor vielen Jahren in unserer Aquarienanlage mit Glasdach schon ein mal Algenblüte mit roter Schattierung erfolgreich bekämpft hatten, habe ich es auch bei Blaualgen versucht. Dazu habe ich ein am Fenster stehendes 30er mit einer ganz dünn rot gespritzten Scheibe beschattet. Die Bakterien haben sich in diesem Becken genauso weiterentwickelt wie in den anderen kleine Becken daneben. Es hat überhaupt nichts bewirkt.
Auch logisch - schließlich sind Blaualgen keine Algen und reagieren somit anders.

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Sind Blaualgen giftig?
Normalerweise wird gesagt, daß Cyanobakterien giftig seien. Wegen der Wasserblüte im Meer werden ganze Strände geschlossen, da sind sie offenbar richtig gefährlich. In meinen Aquarien haben sie zwar übel gerochen, ich konnte aber nie feststellen daß sie tatsächlich „giftig” waren.
Es ist durchaus möglich oder sogar wahrscheinlich, daß Blaualgen Giftstoffe enthalten. Es ist aber in der Praxis so, daß es z.B. Cambarellus patzcuarensis orange (CPO, kleine Krebse) nichts ausmacht, gut 14 Tage über einen teilweise vorhandenen Blaualgenteppich zu marschieren. (War 2008 bei einem Versuch mit Blaualgen)

Original Afizucht:
11.06.01, habe 2 geteilte 70er als „Zuchtlageraquarien”. Die Aq sind absolut identisch und stehen nebeneinander neben der Tür zum Zuchtraum. Sie sind momentan mit Einheitswasser aus 2000er-Tanks + 2 x 2 Liter Torfwasser direkt aus der PE-Tonne gefüllt. In beiden (oder in allen vieren) ist Sumatrafarn. Jetzt sind im linken Aq. Blaualgen im Farn und im rechten nichts. Gleiche Leuchtstofflampe, gleiches Wasser, alle äußeren Kriterien sind gleich, trotzdem hat ein Aq. Blaualgen und das andere keine.

27.02.02, habe ein 60er in Zuchtabteilung auf Ostseite oben mit Lampe direkt darüber, ist ein Paar Lamprologus ocellatus drin und feiner Sand, sind Blaualgen auf dem Sand, vielleicht 20% der Bodenfläche. Scheint den Fischen nichts auszumachen, schwimmen auch ganz kleine Junge in dem 60er.
Anderes 60er auch auf Ostseite oben, ist ein Paar RAM (Nachtrag: Ramirezi) drin, ist sehr viel mit Blaualgen überzogen, auch die Scheiben. Die RAM machen trotzdem einen guten Eindruck, das Aquarium nicht.

Nachtrag August 2007: Zu der Zeit mit den Blaualgen hatten wir in sehr vielen Becken Sumatrafarn, es waren alles Blaualgen „an der Oberfläche” wie anfangs beschrieben. Nur habe ich es damals nicht gewußt. Siehe Verschiedene Formen
Nachtrag August 2014, siehe auch unter „Microcystine” in der Wikipedia. Da steht etwas über die Giftigkeit von Blaualgen, hier Spirulina - dem bei den Aquarianern so beliebtem Superfutter!

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Spirulina
In dem Buch von Professor Heinz Bremer „Aquarienfische gesund ernähren” (Ulmer Verlag, 1997) steht auf Seite 61 oben rechts: “Beimengungen von Spirulina zum Trockenfutter sind gefährlich und sollten unterbleiben”. So ist das eben, die einen bezeichnen Spirulina als das Wundermittel, die anderen meinen daß sie giftig sei! Ich habe einige kg (Kilogramm !!), welche ich vom Forschungszentrum Jülich geschenkt bekommen hatte auf den Kompost gegeben, da ich bei längeren ausgiebigen Versuchen keinerlei Vorteile feststellen konnte. Das war so um 1985 oder etwas früher!
„Spirulina” ist ein guter Name, er läßt sich gut vermarkten, unter anderem als Schlankheitspillen, sonstigen Wundermitteln und eben auch als Superfischfutter.
Nachtrag Februar 2008:
Wahrscheinlich hat oben erwähnter Wissenschaftler Recht, in einem Beitrag in einem der soliden Doku-Kanäle wurde berichtet, daß die Spirulinaalge Giftstoffe enthalten würde.
Nachtrag Jan 2014,
inzwischen ist die Giftigkeit bewiesen, siehe auch hier:
http://www.bio-pro.de/standort/5_bioregionen/bioregion_biolago/index.html?lang=de&artikelid=/artikel/09387/index.html
Nachtrag August 2014, siehe auch unter „Microcystine” in der Wikipedia.

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Stinken Blaualgen immer?
Nein, nicht immer. Sie können bei wenig Befall auch so ähnlich wie ein ausgetrocknetes Bachbett riechen. Es „fischelt” ein wenig. Das ist für mich eher ein angenehmer Geruch. Den Geruch muß man aber kennen und „in der Nase” haben. Ich kenne ihn von der Ostrach (Oberallgäu) her, die war im Sommer bis auf die „Gumpen” (da waren die großen Forellen drin) oft trocken.
Ein richtiger Befall stinkt aber immer. Hat man befallene Pflanzen angefaßt und richtigen Kontakt mit einem Belag gehabt so kann man den Geruch an den Händen auch noch nach einer halben Stunde wahrnehmen, selbst wenn man sie gewaschen hat.

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Blaualgen und niedriger Redoxwert
Laut Hückstedt vertragen Blaualgen (in Seewasser) keinen niedrigen Redoxwert. Mit Trypo (Acriflavin) oder Methylenblau kann man ihn senken,  mit Ascorbinsäure auch. Ist aber schlechter zu dosieren, da müßte man messen und ewig nachdosieren. Bei Trypoflavin nimmt man lt. Hückstedt 100 mg pro 100 Liter. Da Trypo das Wasser sehr stark färbt müßte man danach mit Kohle filtern.
Da habe ich aber momentan keine eigenen Erfahrungen, bei nächster Gelegenheit werde ich es ausprobieren.
Nachtrag:
Habe es bei einem 30er ausprobiert: Keine Wirkung. Nur gefärbtes Wasser.

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Betaisodona®, Polyvinylpyrrolidon-Jod, kurz PVP-Jod
(2011 - Inzwischen ist das Betaisadona-Fläschchen nicht mehr blau, sondern grün.)
Betaisadona_vorne_ThBetaisodona® wird normalerweise als Mundspülmittel oder zur Desinfektion von kleineren Hautwunden genommen. Da ist es sehr wirkungsvoll. Es gibt Betaisadona auch als Salbe.
Eine Warnung vorweg, diese Substanz ist gefährlich, ich habe damit versehentlich schon Fische umgebracht, allerdings war das eine zu starke Dosierung mit reinem PVP-Jod. Unter Chemikalien-Medikamente steht mehr.

Erklärung:
Bekanntlich handelt es sich bei „Blaualgen” um Bakterien. Und die bringt man eigentlich mit Antibiotika oder ähnlichen Mitteln um. So habe ich früher ernsthaften Blaualgenbefall letztendlich auch mit Chloramphenicol beseitigt. Aber erstens habe ich keine Antibiotika mehr und zweitens bringt man damit auch die „guten” Bakterien um. Somit nehme ich solche Mittel nur im „Notfall”.
In diesem Fall wollte ich aber unbedingt die Blaualgen loswerden, also habe ich das akzeptiert.
(Nebenbei bemerkt: Wenn eine Behandlung mit Antibiotika gewirkt hat so wird das Aquarium einen Tag oder knapp 2 Tage etwas trübe. Das ist in Ordnung. Danach muß es aber sofort wieder klar werden - sehr klar. Bleibt es trübe ist der Wurm drin. Wird das Wasser nicht trübe kann man davon ausgehen daß das Medikament nicht geholfen oder anders ausgedrückt, keine Wirkung gehabt hat).
Da ich keinerlei Anhaltspunkte für die Dosierung und sehr schlechte Erfahrung mit dieser Substanz gemacht habe habe ich mit der Dosierung sehr vorsichtig angefangen. Mit 5 Tropfen auf ca. 130 Liter netto. Da diese Dosis überhaupt keine Wirkung zeigte habe ich innerhalb weniger Tage bis auf 100 Tropfen gesteigert - dann waren die Blaualgen weg. Und sind jetzt 2 Monate danach immer noch weg.
Vorsicht: Die Dosierung muß nicht stimmen, mein Medikament ist total überlagert.

Zusammenfassung: Betaisodona® hilft leider nicht immer, bei einem späteren Versuch hat es die Blaualgen nur ein müdes Lächeln gekostet!
Noch eine Warnung: Das Aquarium war bei der Behandlung ohne Fische oder Krebse. Es waren nur Schnecken darin. Ich habe also momentan keinerlei neue Erfahrung wie dieses PVP-Jod auf Fische wirkt.
Ich würde dieses Mittel auch niemandem empfehlen, es sei denn er hat sehr viel Erfahrung mit der Aquaristik und ein leeres Becken zur Verfügung, in welches er im Ernstfall die Bewohner des behandelten Aquariums setzen kann.

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Blaualgen und hoher Nitratwert
Letztens hat jemand gesagt, daß Blaualgen keine höheren Nitratwerte vertragen würden. Unter höherem Nitratwert versteht derjenige 25 mg/l. Das ist erstens kein „höherer” Nitratwert, sondern ganz „normal” oder eher niedrig und zweitens stimmt es auch bei richtig „höheren” Nitratwerten von über 100 mg/l nicht.
Leider hat der Nitratwert überhaupt keinen Einfluß auf das Gedeihen von Blaualgen, dazu habe ich sie in zu verschiedenen Aquarien in der eigenen Anlage erlebt und bei anderen Aquarianern gesehen.
An diesem Beispiel kann man aber sehen, daß man mit Schlußfolgerungen ohne wirkliches Wissen sehr vorsichtig sein muß. Je mehr Erfahrung jemand hat, desto treffender sind in der Regel seine Schlußfolgerungen. Und wenn er noch mehr Erfahrung hat, wird er mit Schlußfolgerungen immer zurückhaltender werden! Dann weiß er nämlich irgendwann, daß er sehr viel nicht weiß. lachen-transp

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Blaualgen und hoher Phosphatwert.
In der Mikrobiologie von Wolfgang Fritsche steht auf Seite 108 über die Wasserblüten bildenden Cyanobakterien
„Phosphat ist der für ihr Wachstum limitierende Nährstoff. Phoshatreiche Abwässer und Phosphatfreisetzung aus Gewässersedimenten sind Ursachen des Massenauftretens, das zur Gewässereutrophierung führt”.
Zwar steht das in einem sehr guten Lehrbuch und wird wahrscheinlich/möglicherweise in der Natur auch stimmen. Das kann ich nicht beurteilen, mit Algen in freier Natur habe ich zu wenig Erfahrung. Aber meine jahrzehntelangen Beobachtungen mit vielen Blaualgen in Aquarien haben gezeigt, daß zumindest die Art von Cyanobakterien welche im Aquarium die „Teppiche” bildet auch in frischem Leitungswasser ohne Phosphat sehr gut existieren kann.
Die Wasserzusammensetzung hat für das Auftreten dieser Art von Cyanobakterien im Aquarium keinerlei Bedeutung!
Das ist nicht bösartig oder irgend etwas - es ist halt einfach so!
Ich habe schon genügend Blaualgen auch noch nach totalen Wasserwechseln gehabt, siehe weiter oben. Auch in „leeren Aquarien”, also ohne Bodengrund oder irgendwelchen Einrichtungsgegenständen. Aber mit „allerbestem” frischem Leitungswasser - genauer: Entmineralisiertem Wasser!

Allerdings würde ich den Leuten welche im Internet behaupten, daß “für üppiges Blaualgenwachstum neben Stickstoff auch erhebliche Mengen Phosphat notwendig sind” raten, die Blaualgen in Aquarien einfach mit einem 100% igen Wasserwechsel mit frischem Leitungswasser zu vernichten. Denn bekanntlich sind in gutem Leitungswasser weder Stickstoff/Nitrat noch Phospat enthalten! (Oder zumindest nur unerhebliche Mengen.)

So - das allerdings ist zumindest ironisch gemeint. Wenn nicht sogar sehr ironisch. zwinkern-transp_grau

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Bei mehr Interesse an Cyanobakterien kann ich das Buch von Schlegel Allgemeine Mikrobiologie empfehlen. Da steht auf 10 Seiten sehr viel über Blaualgen drin.
Oder auch die Mikrobiologie von Wolfgang Fritsche von Gustav Fischer. Das Buch ist aber meines Wissens vergriffen (2009).

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Zusammenfassung
Wie man sieht gibt es sehr viele Methoden oder „Mittelchen” gegen Blaualgen. Die meiner Meinung nach besten Methoden sind - der Wirkung nach:

Dunkelkur - aber richtig. ALLES muß völlig abgedunkelt werden!!!
„Weiherschlamm”, nur bedingt für Anfänger geeignet.
Antibiotika, nur bedingt für Anfänger geeignet.

Als Schlußsatz über Blaualgen kann ich leider nur sagen, daß es mitunter äußerst schwierig sein kann diese hartnäckigen Bakterien auf Dauer umzubringen. Die ganze Blaualgengeschichte ist äußerst variabel und es ist nicht möglich sie in ein einfaches Schema zu zwängen. Dazu sind die Vorkommen zu mannigfaltig. Manchmal kommen sie ohne ersichtlichen Grund und gehen auch wieder - anscheinend - von alleine. Manchmal kann man sie ganz einfach umbringen, meistens sind sie aber ausgesprochen hartnäckig.

Es kann sogar so sein, daß eine Methode, die bei mir bei starkem Befall keine Wirkung gezeigt hat, bei einem anderen Aquarium mit schwachem Befall funktioniert. Das deshalb, weil dieses Aquarium derart an der Grenze war, daß eine kleine Milieuveränderung bereits gereicht hat, um den Cyanobakterien das Leben schwer zu machen. Das gilt insbesondere für Mittel und Methoden, welche das Redoxpotential beeinflussen. (Wasserstoffperoxyd und Ozon). Aber - wie gesagt - natürlich nur bei sehr schwachem Befall oder bei ersten Anzeichen.

Die wirksamste Vorsorge und im gewissen Sinn auch die Bekämpfung sind meiner Meinung nach immer noch gut zusammenarbeitende Bakterien im „System Aquarium”. Also letztlich das, was ich ein „gutes Aquarium” nenne!
 

Nachtrag, November 2009:
Obwohl Blaualgen zu den Kosmopoliten gehören und somit überall gegenwärtig sein sollen, habe ich da meine Zweifel ob man sie nicht doch „einschleppt”. So fällt auf, daß ich zu meiner Münchner Zeit und die ganzen Jahre vorher nie - aber auch nie - Blaualgen hatte. Ich habe sie eigentlich erst hier in Grünenbaindt kennen gelernt. Auffallend ist auch, daß hier seit meinen Experimenten in den Jahren 2007/2008 vermehrt Blaualgen auftauchen. Fast alle Aquarien welche mit Einrichtungsgegenständen oder Pflanzen aus laufenden Aquarien bestückt werden haben Blaualgenansätze. Die Bakterien nehmen da zwar nicht überhand, aber sie sind latent vorhanden. Wenn man weiß wonach man suchen muss, findet man fast überall kleine Ansätze. So bin ich momentan eher der Meinung, daß man sie mit irgend welchen Einrichtungsgegenständen einschleppt. Möglicherweise sind aber die heutigen Pflanzenbestände bereits alle mit Cyanobakterien verseucht.


Nachtrag Februar 2013:
Da zumindest in meinem Wohnzimmer-160er „Glutaral” keine gravierenden Nachteile, aber durchaus Vorteile hat, wird es doch - irgend wann - eine eigene Seite über diese Substanz geben.
Ist inzwischen da: Glutaral

Nebenbei:
Vorsicht_aezend_22Wenn ich „Glutaral” schreibe, so meine ich auch Glutaral (Glutaraldehyde, 25% Aqueous Solution) und keine undefinierte Flüssigkeit einer ausländischen Firma, wo nirgends - aber auch nirgends - eine Zusammensetzung zu finden ist! Aber wenigstens ein Verfallsdatum! So etwas ist in Deutschland meines Wissens verboten, zumal Glutaral hier als giftige, ätzende und umweltgefährliche Substanz deklariert und mit den entsprechenden Warnbildchen versehen wird.
Zwar schätze ich persönlich die Gefährlichkeit von Glutaral nicht so hoch ein, da ich mit Chemikalien umzugehen gelernt habe, aber in einem entsprechenden Datenblatt (CALBIOCHEM,  Merck) steht immerhin wörtlich:
„Kann beim einatmen tödlich wirken.
Verursacht Verätzungen der Atemwege, der Augen und der Haut.
Sehr giftig für Wasserorganismen.
Schädigt folgende Organe: Auge, Linse oder Kornea.
Bei verschlucken gefährlich.
Kann allergische Reaktionen der Atemwege und der Haut verursachen.
Kann folgende Organe schädigen: Lungen, Verdauungsystem, Atemwege, Haut, Augen, Kopf, Rachen.”

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Erstellt: Februar 2008
Diese Seite wurde zuletzt am 24. Oktober 2016 geändert.

 

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