Ein Überblick über den Begriff „Filter”
Filter. Was soll das eigentlich sein? Braucht man sowas überhaupt? Provokative Antwort: Nein, man braucht ihn/es nicht unbedingt. Ob es DER oder DAS Filter heißt soll hier nicht diskutiert werden, das überlasse ich den Großkopferten. Bei mir heißt es seit über 50 Jahren DER Filter - und so wird es auch bleiben! Wie gesagt, man braucht ihn nicht unbedingt. Mein erstes „Fischglas” - ein vom Vater geopfertes ca. 5 Liter fassender runder Glasbehälter, in dem vorher Tupfer waren - hatte keinen. Darin schwammen eine Elritze, ein kleiner Goldfisch und ein kleiner Scheibenbarsch. Das Glas wurde jede Woche ausgeleert und der Kies gewaschen. Es waren sogar einige Pflanzenranken drin. Während ich die Sommerferien in Bingen verbringen durfte, hat die pflegende Person nicht ausgeleert und gewaschen, dafür hatten sich nach den 3 oder 4 Wochen die Pflanzen verdreifacht. Ansonsten war alles ok. Ich wundere mich heute noch, warum das mit dem Glas so gut funktioniert hat und warum Goldfisch und Barsch nicht gewachsen sind. Haben sie soo wenig Futter bekommen? Was aus dem Topf geworden ist, weiß ich nicht mehr, jedenfalls sind die Fische nicht gestorben. Ende der sentimentalen Story.  Im Ernst, man braucht zwar in der Theorie nicht unbedingt einen Filter, aber man handelt sich damit einige Unannehmlichkeiten ein. Man kann das Aquarium dann nur sehr spärlich besetzen, muss sehr sparsam füttern und das Becken sehr genau beobachten. Man kann es nicht beheizen, da das Temperaturgefälle dann zu groß wäre. Selbstverständlich kann man einen wasserdichten Heizer über dem Boden waagrecht installieren - dann kann das erwärmte Wasser großflächig nach oben steigen - aber wirklich gehen tut das auch nicht. Mit einem Ausströmer zur Umwälzung - wegen der Temperatur - werden auch nur die Schwebeteilchen herum gewirbelt. Kurz: Es wird im Vergleich zu einem Aquarium mit Filter bedeutend empfindlicher reagieren. Also - in der Praxis braucht man doch einen Filter.
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Was bewirkt ein Filter? Innen- oder Außenfilter? Was ist besser? Mit Luft betriebene Filter Mit Kreiselpumpe betriebene Filter Wie oft reinigen? Welches Filtermaterial? Es ist eine eigene Seite über Filtermaterialien vorhanden, bitte HIER schauen. Kann grobes Filtermaterial auch “fein” filtern? Oder braucht man dazu unbedingt “feines” Filtermaterial? Ein anaerober Filter, Spezialfilter zum Entfernen von Nitrat
Was bewirkt ein Filter? Er bewirkt mehreres, zuerst ist er - bzw. natürlich die Füllung desselben - Besiedlungsfläche für Bakterien, welche die anfallenden Stickstoffverbindungen über verschiedene Zwischenstufen in relativ harmloses Nitrat umwandeln. In dem Filtersubstrat verfangen sich aber auch große Mengen von frei im Wasser treibenden Partikeln oder eben Schwebestoffe, die das Wasser des Aquariums trüben würden, wenn sie nicht im Filter „herausgefiltert” würden (genauer adsorbiert). Somit ist die Meinung, daß ein Filter, bzw. die Filterfüllung NUR als Besiedlungsfläche für Bakterien gut sei, nicht richtig. So ähnlich ist es mit der Übertreibung der Wirkung des Mulms. Natürlich ist ein guter Mulm von Bakterien besiedelt. Die Bakterien in einem funktionierenden Filter reichen aber vollkommen, da braucht man keinen extra Mulm mehr im Aquarium. Meiner Meinung nach kommt die Glorifizierung des Mulms aus der Kläranlagentechnik, da ist der Mulm - oder eben der Belebtschlamm - die „tragende” Substanz der abbauenden Bakterien. Im wahrsten Sinne des Wortes: An dem durch große Ausströmer herumgewirbeltem „Belebtschlamm”, der nur aus Mulmpartikeln besteht, sitzen die Bakterien, ohne diesen Mulm/Schlamm würde keine moderne Kläranlage funktionieren! Das Problem an den Vergleichen mit den Kläranlagen ist der, daß dieses Prinzip in einem relativ (zu kommunalen Kläranlagen) sauberem Aquariumwasser nicht funktioniert! Die ganze Kläranlagengeschichte habe ich nach längeren Gesprächen mit einem leitenden Ingenieur von den Münchner Kläranlagen in Großlappen um 1975 herum abgeschlossen. Die heutigen Anlagen sind zwar etwas anders konstruiert, man kann sie aber immer noch nicht mit einem Aquariumfilter vergleichen. Nun wird Mulm in einem „normalen Wohnzimmeraquarium” zwar nicht schaden, in einem überbesetzten Aufzuchtbecken wird es aber besser sein, ihn regelmäßig abzusaugen. So jedenfalls handhaben es die Praktiker! Die reinigen die Filter auch in relativ kurzen Abständen. Und man wird sich wundern - oder besser; man wundert sich eigentlich nicht, welche Menge an „Dreck” man aus einem Filter herausspülen kann. Das ist alles Mulm! Daß ein „normaler” Aquarienfilter nur unter aeroben Bedingungen (Sauerstoff enthaltendes Milieu) funktionieren kann, dürfte inzwischen allgemein bekannt sein. Weniger bekannt ist eventuell, daß man mit einfachen Mitteln einen anaeroben Filter (ohne Sauerstoff) betreiben kann, mit welchem man Nitrat aus dem Kreislauf entfernt. Kommt weiter unten.

Innen- oder Außenfilter? Beide haben Vor- und Nachteile! Ein Innenfilter ist leichter zu installieren, er hat keine Schläuche, welche sich lösen und das Wohnzimmer unter Wasser setzen können. Von Nachteil ist, daß er die Ästhetik stört - jedenfalls meine - und Platz im - meistens eh schon zu kleinen - Aquarium benötigt. Auch ist man in der Regel auf weniger Füllmaterialien beschränkt. Bei Außenfiltern gibt es eine Vielzahl von Modellen. Die meisten sind gut, einige sind es weniger. Mir sind die Topffilter, bei denen das Wasser unten hinein und oben wieder heraus geht, immer noch am liebsten. Der Nachteil dieser Konstruktionen ist die - trotz inzwischen üblicher Absperrhähne und Kupplungen - etwas umständlichere Handhabung. Die heute gebräuchlicheren Modellen, bei denen das Wasser oben hinein und auch oben wieder heraus geht, sind zwar in der Handhabung recht bequem, aber die meistens recht kleinen „Kästchen”, wo man das Filtersubstrat einfüllen kann, sind mir nicht sympatisch. Es ist irgendwie eine Spielerei. Lustig zum einfüllen, in jedes Schälchen etwas anderes! Richtig anfreunden konnte ich mich mit denen noch nie. Sie werden aber von den Kunden verlangt, da sie bequem in der Handhabung sind. Sie sind halt ganz einfach „modern”. Dann gibt es noch die offenen Außenfilter. Früher waren sie häufiger. Der Vorteil dieser Konstruktionen ist der, daß man sie leichter reinigen kann. So macht man die Filterreinigung vielleicht häufiger. Bild rechts ein Eigenbau mit schräg gestelltem Einsatz zum abtropfen. Im Hintergrund ein CO2-Kontaktrohr. Auch Eigenbau.

Kann „grobes Filtermaterial” auch „fein” filtern oder braucht man dazu unbedingt „feines Filtermaterial”? Vorerst kurze Antwort, ja grobes Filtermaterial kann sehr wohl auch „fein” filtern. demnächst weiter

Wie oft soll man den Filter reinigen? Wie so oft in der Aquaristik - es kommt darauf an! Wenn man eine größere Menge Fische aufzieht, so wird man versuchen, so häufig wie möglich Wasser zu wechseln und auch den Filter öfter reinigen. Schließlich gilt der alte Satz von Hückstedt immer noch: „Dreck bleibt Dreck, auch wenn man ihn nicht sieht” (Aquarientechnik von Guido Hückstedt, Frankh’sche Verlagshandlung). In einem eher unterbesetzten Wohnzimmeraquarium kann man sich den Luxus leisten und den Filter längere Zeit laufen lassen. Das kann bei einem groß genug dimensionierten Filterbehälter durchaus ein Viertel bis sogar ein halbes Jahr sein. Wasser wechseln sollte man in dieser Zeit natürlich trotzdem.

Ein anaerober Filter, ein Filter mit einem sauerstofflosen Milieu zum Entfernen von Nitrat. Dazu nehme man einen Eheimtopf mit 2 oder besser 5 Liter (kommt auf die Größe des Aquariums, bzw. auf die Menge des zu entfernenden Nitrats an) und fülle ihn mit Siporax (oder wenn man bekommen kann mit sehr porösem Lavakies). Jetzt installiert man einen Baypass vom Filter durch diesen Eheimtopf. Und zwar unten hinein und oben wieder heraus, nicht umgekehrt! Der Durchsatz muß so gering eingestellt werden, daß sich im Nitratfiltertopf ein anaerobes Milieu einstellt. Also Durchlauf nur tropfenweise. Nach einiger Zeit ist aller Sauerstoff in dem Topf verbraucht und die anaeroben Bakterien fangen an, das Nitrat zu zerlegen. Anfangs wird noch Nitrit im - tropfenweisen - Auslauf ins Aquarium sein, aber auch das wird sich einpendeln. Das Ganze funktioniert so ähnlich wie die Nitratentfernung mit Holz, (siehe hier) nur viel einfacher!

Erstellt: 11 September 2011 Überarbeitet, ergänzt: 5.5.2012
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