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Der Leitwert

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Der Leitwert - ein sehr brauchbarer Wert!

 

Anscheinend gibt es selbst „fortgeschrittene” Aquarianer, die noch immer nicht recht wissen was man mit einem Leitwertmesser alles machen kann - und was man eben nicht kann.
Aus diesem Grund möchte ich die praktische Verwendung desselben hier etwas genauer erklären. Zwar ist eine Beschreibung der Geräte mit Fotos bereits unter Technik/Geräte/Leitwertmesser vorhanden, da für mich ein Leitwertmesser aber so wichtig ist, daß ich ohne ihn keine Aquaristik oder zumindest keine Zierfischzucht mehr betreiben möchte will ich hier einiges zu seiner allgemeinen „Ehrenrettung” schreiben.

Es geht hier - wie immer - um die reine Praxis. Theorie nur soviel wie unbedingt notwendig ist.
Zuerst muß ganz klar festgestellt werden, daß man mit einem Leitwertmesser kein unbekanntes Wasser richtig oder komplett beurteilen kann. Das ist die grundlegende Fehleinschätzung! Mit dieser Falschaussage hat man den Leitwert - oder genauer das Gerät mit welchem man ihn mißt = eben den „Leitwertmesser” -  in Mißkredit gebracht! Man kann halt nur die Summe der Salze oder Mineralien messen, was das für Salze sind, kann man nicht feststellen. Mit etwas mehr Erfahrung und allgemeinem Wissen um die Wasserwerte der Gegend kann man aber durchaus bereits aus dem Leitwert alleine Rückschlüsse über das gemessene Wasser ziehen.

 

Was man mit einem Leitwertmesser alles kann
Was man mit einem Leitwertmesser nicht kann
Kann der Leitwert auch fallen?
Zusammenfassung

 

Was man mit einem Leitwertmesser alles kann
Feststellen, daß man Wasserwechsel machen muß - oder auch nicht.
Wenn man sein Ausgangswasser kennt und weiß mit welchem Leitwert man sein Aquarium gefüllt hat, kann man mit diesem Gerät sofort feststellen, daß man Wasser wechseln muß. Oder wie gesagt - eben nicht. Dieser Nachsatz ist nicht unbegründet: Früher mußte man den Leuten immer und immer wieder klarmachen, daß sie ab und an - bitte, bitte, bitte - wenigstens einen Teil des Wassers wechseln sollten. Damals hatte man „Altwasser”, je älter desto besser. Jedenfalls bei einigen Leuten. Inzwischen gibt es natürlich - leider - immer noch genügend Aquarianer für die das Wort „Wasserwechsel” ein Fremdwort ist. Aber fast genauso „leider” gibt es inzwischen eine große Aquarianergemeinde die die Qualität eines Aquarianers nach den Intervallen beurteilt in denen er sein Aquariumwasser wechselt. Da kommt dann so eine dümmliche Angewohnheit heraus, daß man wöchentlich fast das ganze Wasser wechselt. Bei einem normal besetzten Wohnzimmeraquarium - versteht sich. Und natürlich mit Wasser direkt aus der Leitung - versteht sich auch. Daß solche Aquarien nie richtig „biologisch funktionieren” liegt auf der Hand. Natürlich sind sie „biologisch”, aber wieder ein mal: es gibt da mehr oder weniger. Und diese Aquarien sind es weniger und sie werden auch nie richtig mehr werden!
Übrigens: Daß man die Wasserqualität der eigenen Aquarien, bzw. die Wasserwechselintervalle derselben mit einem Leitwertmesser feststellen kann ist nichts neues, das habe ich bereits ab 1970 in unserem Münchner Laden so gemacht - da hatte ich den ersten „richtigen” Leitwertmesser. Was ich vorher hatte war eher Spielzeug.

Nok


Feststellen, daß das Kondensat aus dem Klima- oder Entfeuchtungsgerät für die Aquaristik nicht geeignet ist, da der Leitwert über 50 µs liegt. Da das Wasser eigentlich reines Destillat ist, weiß der Praktiker sofort, daß der Leitwert reiner Dreck aus der Luft sein muß. Also ist es völlig ungeeignet.

Nok


Feststellen, ob es sich bei einem unbekanntem Wasser eventuell um ein für die Aquaristik geeignetes Wasser handelt. Mit einem Leitwertmesser kann man sehr schnell testen ob man ein Wasser aus der Natur eventuell gebrauchen kann. Es gibt im Oberallgäu ein Moor, da habe ich vor langer Zeit mit einem Leitwertmesser ganz schnell festgestellt, daß dieses Wasser mit 30µs für eines meiner Aquarien gut sein sollte. So habe ich einige Kanister mit genommen. Zuhause habe ich mit Härtemeßtabletten dann ein Härte von ca. 1/2° dH gemessen - das Wasser war gut.

Nok


Feststellen, daß eine früher so gepriesene Quelle für die Aquaristik nicht geeignet ist, da sie irgendwie verunreinigt ist.
Vor vielen Jahren haben manche Oberallgäuer Aquarianer ihr Wasser aus einer Quelle in einem kleinen Dorf bei Sonthofen geholt. Damals hat man die Härte des Wassers mit einer Art Seitenlösung gemessen, je mehr Seife man gebraucht hat bis das Wasser beim schütteln geschäumt hat, desto härter war es. Das Wasser war nach dieser Methode sehr weich. So weit ich mich erinnere hat die Methode Boutron und Bourdet oder so geheißen. Die Methode war schon gut, mit heutigen Reagenzien wäre die Quelle genauso weich. Ein Leitwertmeßgerät gab es nicht. Mein Bruder hatte damals einen Fiat 500, in diesem Auto haben wir Wasser in einem 50-Liter-Glasballon mit Metallgestell geholt! Ein Fiat 500 hatte den Motor hinten und vorne einen ganz kleinen Kofferraum, also war der Ballon auf dem Beifahrersitz und ich hinten drin. Ich war damals schon 187cm lang, somit war das mehr als eng lachen-transp.  Und das alles für ein Wasser mit einem Leitwert von ca. 1000 µs oder so! Mit einem Leitwertmesser hätte man sofort gewußt, daß diese Quelle mit dem an sich weichen Wasser irgendwie verunreinigt sein muß und sich die Schlepperei sparen können.

Nok


Feststellen, wann ein Austauscher erschöpft ist. Oder man kann damit überhaupt Wasser verschneiden.
Praktischen Aquarianern die Wasser panschen brauche ich die Vorteile eines Leitwertmessers nicht erklären, das wissen diese Leute schon lange. Vielleicht wissen aber einige wenige nicht, daß man speziell beim hantieren mit Austauschern das messen des pH-Werts durch das messen des Leitwerts ersetzen kann. Die Geräte bzw die Elektroden sind robuster und die Messung selber geht schneller.

Nok


Daß ein Zierfischzüchter ohne Leitwertmesser genauso hilflos ist wie ein Normalaquarianer ohne Fangnetz müßte man eigentlich gar nicht erst feststellen.

Nok


Feststellen, ob man das Regenwasser schon in den Tank laufen lassen oder ob man noch eine Weile warten soll, bis mehr Ablagerungen vom Dach abgewaschen sind.

Nok


Feststellen, ob der Salzgehalt vom Artemiawasser stimmt. Er sollte zwischen 17 - 25 ms liegen, eher weiter zur unteren Zahl.

Nok


Feststellen, ob das Seewasser die richtige Dichte hat. Das geht bedeutend schneller als mit einem Aräometer. Zumal diese Dinger immer sehr schnell kaputt gehen. Momentan habe ich wieder mal keinen, da der letzte eben kaputt ist. Im Laufe der Jahrzehnte habe ich einige geliefert, daran haben extra Plexiröhrchen mit Futteral auch nichts geändert. Ein normales Seewasser für Fische hatte früher ca. 48 ms, heute nimmt man für ein Riffaquarium 49 - 50 ms. Laut einem altem Bekannten, einem tatsächlichen „Zoofachverkäufer”” werden aber Fische von Importeuren teilweise mit 38 ms ausgeliefert.

Nok


Feststellen, daß das destillierte Wasser vom Discounter einen Leitwert von knapp 10 µs hat. Das ist gut. Ich hatte auch schon destilliertes Wasser aus der Apotheke, das hatte 30 µs. Das destillierte Wasser für das Dampfbügeleisen mußte die Hausfrau kaufen, weil das eigene ausgegangen und der Aquarianer zu bequem war, die Austauscheranlage zu aktivieren und selber vollentsalztes (pardon: entmineralisiertes) Wasser zu produzieren.

Nok


Feststellen, ob das Zuchtansetzwasser welches durch die Torftonne läuft sich schon geändert hat oder auch wie lange es noch durchlaufen muß. Das geht mit einem Leitwertmesser tatsächlich, ich habe es viele Jahre praktiziert. Dafür habe ich kein pH-Meter mehr genommen. Man muß nur eine Zeit lang sowohl Leitwert als auch pH-Wert messen, dann merkt man schon wie sich beide zueinander verhalten. Man braucht halt etwas Erfahrung dazu. Wenn man den pH-Wert bei einem Wasser unter 50µs messen will, sollte man eine Schliff-Elektrode nehmen und so lange messen, bis sich tatsächlich nichts mehr ändert. Mit einem normalen Diaphragma oder gar einer Gel-Elektrode wird man immer einen zu niedrigen Wert erhalten.
(Meine Torftonne ist ca. 150 cm hoch, hat ca. 70 cm Durchmesser und ist zur Zeit mit 3 Säcken Torfgranulat gefüllt, hier ist ein Foto von dieser Torftonne)

Nok


Innerhalb von ein paar Sekunden feststellen ob der Aquarianer vor dessen Aquarium man gerade steht wirklich Wasser wechselt oder ob er einen nur verkohlt hat.

Nok


Feststellen, daß man das recht gut bepflanzte Wohnzimmeraquarium wieder nachdüngen sollte, weil der Leitwert von 300 auf 244 µs gefallen ist.
Siehe weiter unten.

Nok

 

Was man mit einem Leitwertmesser nicht kann
Feststellen, wie hart ein unbekanntes Wasser ist.
Tatsächlich kann man bei einem völlig unbekannten Wasser nur die Menge der darin gelösten Salze messen. Oder eben den elektrischen Leit-Wert des Wassers, das ist das Gegenteil vom ohmschen Wert, dem Widerstand einer elektrischen Leitung. Sonst nichts! Man kann nur ganz annähernd die Härte feststellen, genau genommen auch das nicht ein mal. Es wird allgemein gesagt, daß ca. 30 µs ein Grad dH entsprechen würden. Davon halte ich recht wenig. Was ist, wenn in dem gemessenen Wasser etwas Salz oder andere Mineralien aus dem Untergrund sind? Dann stimmt die Rechnung nicht mehr!
Siehe Absatz weiter oben: Woher der hohe Leitwert der Quelle in dem Oberallgäuer Dorf kommt weiß ich nicht, das Wasser ist meines Wissens nie analysiert worden. Dieses Beispiel zeigt aber sehr deutlich, daß das mit dem Zusammenhang zwischen Leitwert und Härte nicht immer stimmen muß.

Nok


Kann der Leitwert auch fallen?
Ja, der Leitwert muß nicht unbedingt ansteigen, manchmal fällt er auch - aber eher selten. Das passiert in Aquarien, in denen mehr Mineralien verbraucht werden als dazu kommen - ganz einfach. Also in sehr gut bepflanzten und beleuchteten Becken mit wenig Fischbesatz - sprich wenig Fütterung - oder wenn man z.B. Apfelschnecken züchtet. Die Apfelschnecken verbrauchen für den Aufbau ihrer Gehäuse Kalk, somit sinkt der Leitwert. In diesen Fällen muß man Wasser wechseln, nicht um den Leitwert zu senken oder Nitrat zu verdünnen, sondern um die verbrauchten Mineralien wieder zu zuführen.
Übrigens sind Apfelschnecken hervorragende Indikatoren für einwandfreies Wasser. Sie reagieren schneller und bedeutend empfindlicher als alle Fische und ich habe sie immer als „Anzeigeinstrumente” bei Filterversuchen genommen.

Für die fortgeschrittenen Aquarianer:
In einem gut bepflanzten und auch gut wachsendem „Wohnzimmeraquarium” wird der Leitwert immer fallen. Jedenfalls ist es bei mir so, auch bei über 200 kleinen Fischen und Garnelen in einem 160er (160x60x60cm). Da kann man dann am Leitwert festellen wie viel Dünger noch im Wasser ist und gegebenenfalls nachdüngen - oder aber Wasser wechseln. Hier wechsel ich Wasser um einigermaßen sicher zu sein, daß die Düngemittel in der richtigen Konzentration, bzw. Zusammensetzung im Aquarium sind. Zwar kann man die Düngemittelkonzentration und auch das Fehlen von Stickstoff oder Eisen mit einiger Übung auch an der Farbe der neuen Blätter und Blattnerven erkennen, mit dem Leitwert ist es aber speziell für den „nicht so versierten Aquarianer” einfacher.

Nok


Zusammenfassung
Das nützlichste elektronische Gerät in der Aquaristik ist ein Leitwertmesser!
Leider sind die Möglichkeiten desselben allgemein nicht richtig bekannt. Andererseits kann man mit ihm zwar viel, aber eben nicht alles feststellen. Das sollte man auch bedenken.

Übrigens: Natürlich weiß ich, daß die korrekte Schreibweise nicht “µs” ist, sondern eigentlich “µs/cm” sein müßte. Schließlich hat man das ja mal irgendwo gelesen und es steht auch auf den Geräten drauf. Aber ich habe noch keinen Praktiker erlebt, der sich daran gehalten hat. Da heißt es sogar selten 10ms, sondern meistens 10.000µs. Und da ich kein Schreibtischtäter, sondern Praktiker bin werde ich auch in Zukunft das „/cm” weg lassen. Schließlich hat es deswegen in den letzten 35 Jahren keine Verständigungsprobleme gegeben.

Es ist für mich sehr bedauerlich, daß ein so nützliches Gerät so oft durch Unkenntnis in Mißkredit gebracht wird.

Nok


 

Erstellt: Dezember 2006
Überarbeitet, ergänzt: Mai 2009
 

 

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