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Die Zucht des „normalen” Neonsalmlers, Paracheirodon innesi.
Über keine Fischart sind in der „alten Afizucht” (das hier ist die „Neue”) so viele Seiten vorhanden wie über Neonsalmler. Das bedeutet, daß keine andere Art so viele Probleme gemacht hat! Selbstverständlich hängt das hauptsächlich damit zusammen, daß wir Neonsalmler immer in großen Menge und in verschiedenen Größen vorrätig haben mußten und ich sie deshalb mindestens 20 Jahre ununterbrochen gezüchtet habe. Da hat es natürlich auch Schwierigkeiten gegeben. Bei fast allen anderen Fischen konnte man es sich leisten zwischendurch keine zu züchten. Manchmal ganz einfach deshalb, weil sie nicht richtig gegangen sind oder weil man sie irgendwie nicht mehr mochte. Wie immer zuerst die Zuchtfische besorgen. Und wie immer auch nur die Besten!!
Hat man nur wenig Bedarf so reicht ein Zuchtpaar, da bekommt man auch einige hundert Junge zusammen. Das kann man sich recht gut aus einem kleinen Schwarm heraus fangen. Benötigt man mehr Junge so nimmt man eben mehr Fische. In der Praxis kauft man ganz einfach einen Schwarm, also vielleicht 50 Fische. Da muß man aber genau hinschauen. Die Fische dürfen keinerlei Flecken haben, die Farben müssen gleichmäßig glänzen und dürfen nirgends matt sein, auf keinem einzigen Fisch! Selbstverständlich dürfen sie auch keine Kiemenfehler haben, das ist zwar meistens Murks bei der Aufzucht und somit nicht erblich, aber sicher ist sicher. Alle Fische müssen gerade gewachsen sein. Wenn Neonsalmler gut gefüttert sind sieht es manchmal so aus, als ob sie etwas krumm seien. Genau schauen, ob sie wirklich krumm sind oder nur durch den Bauch krumm wirken. Das Rot sollte möglichst dunkel und klar abgegrenzt sein. Außer in Ausnahmefällen keine „Diamant” oder ähnliche Fische nehmen, die sind meistens nicht sehr vital. Ist natürlich auch Geschmacksache.
So, jetzt haben wir einen Schwarm sehr schöne halbstarke Neons. Die müssen jetzt erst noch wachsen. Wenn die dickeren und dünneren sehr gut zu unterscheiden sind, die Männchen zum streiten anfangen und die Weibchen anbalzen, kann man sie das erste Mal ansetzen. Nun wird sich zeigen ob wir die richtige Maschenweite und Qualität der Laichgitter genommen haben. Noch nicht ausgewachsene Neons zwängen sich gerne durch die Gitter nach unten - speziell die dünneren Männchen. Sie bleiben dann oft im Gitter stecken. Bei einem innen abgerundeten Gitter ist das nicht so schlimm, man kann die Fische wieder herausfieseln. An einem scharfkantigen Putzgitter vom Baumarkt könnten sie sich aber so verletzen, daß sie daran sterben. Bei den Zuchtutensilien sind verschiedene Laichgitter beschrieben und auch Fotos davon.
Je nachdem ob man ein 30er oder ein größeres Ansetzaquarium zur Verfügung hat, nimmt man nur ein Paar oder einen ganzen Trupp. In 60ern habe ich meistens um 10 Fische (5/5) angesetzt. Bei den Weibchen nimmt man logischerweise die dicksten und bei den Männchen die größten, sie dürfen aber nicht irgendwie krumm sein! Das Ansetzwasser sollte möglichst weich sein, bei mir war es immer unter 50µs. Das heißt nicht, daß es härter nicht geht, ich hatte halt immer so ein Wasser vorrätig. Dieses Wasser war immer kurze Zeit über normalen Ballentorf oder Torfgranulat gelaufen. Vielleicht unter Zuchtwasser nachlesen. Der Wasserstand im Ansetzbecken kann um 10cm sein, das spielt keine große Rolle. Ist der Wasserstand niedriger werden weniger Eier gefressen, es geht durchaus auch mit 5cm netto über dem Laichrost. (Es werden deshalb weniger Eier gefressen, weil der Weg der Eier bis unter das schützende Gitter bei niedrigerem Wasserstand kürzer ist, bei Nannostomus Arten sehr wichtig). Als Laichsubstrat kann man synthetische „Wolle” nehmen oder „Eheimgrün”. Die Farbe der Wolle spielt keine Rolle, mir waren dunkle Farben sympathischer, die Fische haben früher auch genauso gut an hellbrauner Wolle gelaicht, ihnen ist die Farbe offenbar nicht so wichtig. Werden die Fische am Abend angesetzt, so sind am nächsten Tag meistens bereits Eier vorhanden. Bei noch nie angesetzten Fischen dauert es eventuell länger, dann muß man eben 2 Tage warten. Haben die meisten Fische gelaicht oder ist man einfach ungeduldig so fängt man die Zuchtfische heraus. Will man weiter züchten, so setzt man die Zuchtfische nach Geschlechtern getrennt in gute Aquarien. Man kann sie dann nach ca. 6 Tagen wieder ansetzen. Will man nicht weiter züchten, so kommen sie wieder ins Gesellschaftsaquarium zurück.
Jetzt kommt eine ganz wichtige Sache, die normalerweise nicht verbreitet und über die allgemein nicht gesprochen wird. Wahrscheinlich wissen das auch nur wenige Leute. Es laichen nämlich nicht alle Fische und nicht alle Weibchen haben „gute Eier”. Setzt man die selben Fische wieder an, so sind immer welche dabei, die entweder gar nicht oder schlechte Eier laichen. Das hat nichts mit unbefruchteten Eiern zu tun oder ungeeignetem Wasser oder so. Um zu Weibchen mit guten Eiern zu kommen „drückt man die Weibchen aus”. Dabei nimmt man den Fisch mit zwei Fingern der einen Hand am Schwanz, richtet ihn gerade aus und drückt mit Zeigefinger und Daumen der anderen Hand die Eier Richtung After aus. Das man dabei äußerst vorsichtig sein muß ist wohl klar und wenn man kein Gefühl in den Fingern hat, so unterläßt man diese Prozedur selbstverständlich besser. Hat man aber Feinmechaniker-Finger mit Gespür (das Gefühl in den Fingern hat mit der Größe derselben nicht unbedingt etwas zu tun) so passiert den Fischen dabei nichts. Im Laufe der Jahrzehnte habe ich nur sehr wenige Fische auf diese Art umgebracht. Man erkennt sehr schnell, ob man weiche Eier ausdrücken kann oder die Eier so hart sind, daß man die Eier eben nicht ausdrücken kann und der Fisch für die Zucht ungeeignet ist. Gute Eier sind bernsteinfarbig, bei Torffilterung oder Fütterung mit Astaxanthin mehr Richtung braunorange und sonst auch mal eher grau, schlechte weiß bis zum weißlichgrauen Brei. Wenn man es richtig macht so hat man dann nur Weibchen, die gute Eier laichen. Um die besten Männchen zu erkennen braucht man etwas Erfahrung. Gute Männchen sind zwar groß, aber nie besonders kräftig oder gar dick. Sie sind immer schlank und müssen eine kräftige Färbung haben. Gilt für alle Salmler.
Jetzt haben wir Eier im Ablaichaquarium, nun müssen wir nur noch zusehen, daß daraus auch Fische werden. Mit Sicherheit sind nicht alle Eier in Ordnung, es sind zwischen den bernsteinfarbenen auch einige weiße Eier vorhanden. Wenn man viel Zeit und sonst nichts zu tun hat kann man die weißen Eier mit einer Pipette oder besser mit einem vorne zugespitzten Glasrohr (gibt es im Laborhandel, mir fällt der richtige Ausdruck momentan nicht ein) mit aufgestecktem Luftschlauch - ich hatte für solche Zwecke einen Silikonschlauch - absaugen. Man kann aber auch einen eingelaufenen Filter ins Aquarium stellen und einige Posthornschnecken dazu geben, dann kann man sich das Absaugen sparen. Dann machen die Posthornschnecken die Arbeit und fressen die schlechten Eier. Die guten lassen sie in der Regel in Ruhe. Im Normalfall reichen für ein 60er 2 größere Schnecken, sind sehr viele Eier verpilzt, so kann man schon 5 oder mehr geben, eventuell wieder welche entfernen, wenn die schlechten Eier weg sind. Das habe ich bei Kongos öfter gemacht. Auf dem Foto rechts sind sehr gute Filter für solche Zwecke, der linke Filter ist für niedrigen Wasserstand. Eventuell bei den Filtermodellen nachschauen. Damit ich immer „eingelaufene” Filter hatte haben wir sie in einem fischlosen guten 70er mit einigen Pflanzen „gelagert”. Sie blieben nach dem auswaschen immer in diesem Aquarium.
Die Jungen benötigen erst Futter, wenn sie nicht mehr auf der Seite liegen. Wie lange das dauert habe ich mir nicht gemerkt oder irgendwo aufgeschrieben, das kann man schließlich sehen. Es hängt auch etwas von der Temperatur und dem Stamm ab. Junge Neonsalmler fressen in der Regel keine Artemianauplien, auch keine San Francisco Nauplien. Zwar bestätigen die Ausnahmen bekanntlich die Regel, es sind aber wenige Stämme, die ganz frische noch weiche Nauplien „einsaugen”. Meistens muß man mit Infusorien anfangen. Wie das geht steht unter Infusorien. Wenn die jungen Neons weiße Bäuche haben ist alles in Ordnung.
Nach einigen Tagen kann man Wasser wechseln und zugleich den Wasserstand erhöhen, das muß dann nicht mehr so weich sein. Auch muß man das Wasser nicht wie oft beschrieben mit einem Luftschlauch einlaufen lassen, die kleinen Fische sind bei weitem nicht so empfindlich wie allgemein gesagt wird. Nur sollte das einlaufende Wasser nicht zu sehr „kreiseln”. Ich habe das Wasser mit einem Eheim 1060 und einem 16er Rohr einlaufen lassen, manchmal war am Einlauf ein Winkel dran, so lief das Wasser erst gegen die Scheibe. Wenn man ganz vorsichtig sein will, so steckt man auf den Wassereinlauf einen Schwamm, das ist die beste Strömungsbremse. Nun kann man auch eventuell einen größeren Filter installieren, ich habe da meistens solche wie auf dem Foto links genommen, auch aus dem „Filterlagerbecken”. Wir hatten solche Filter auch mit 25er Rohr ohne Winkel oben. Da kam dann entweder ein 4mm Luftrohr mit oder ohne Ausströmer hinein. Diese Filter haben den ganz großen Vorteil, daß man sie nirgends befestigen muß. Man stellt sie einfach ins Aquarium, schließt die Luft an und gut. Ein Luftanschluß bei jedem Ansetzaquarium ist natürlich selbstverständlich. Durch die 8mm Glasscheibchen an beiden Enden bleiben sie stabil unter Wasser stehen. Die Anfertigung ist insoweit etwas schwierig, da man eine Glasscheibe mit Loch benötigt. Wenn die Neons nach einiger Zeit Artemia fressen ist alles überstanden. Dann müssen sie auch in ein größeres Aquarium umgesetzt werden. Normale Neon wachsen sehr schnell, zwar weiß ich die genauen Zeiten nicht mehr, aber es sind mit die Fische, die in kürzester Zeit zu verkaufen sind. Rote Neonsalmler wachsen im Vergleich bedeutend langsamer. Und sind auch viel schwieriger zu züchten. Jedenfalls für mich. Und man bekam für die Roten Neonsalmler weniger Geld! Deshalb habe ich sie eigentlich nur manchmal „der Ordnung halber” und zur persönlichen Ergötzung gezüchtet.
Nachtrag:
Wenn man ganz kleine Fische umsetzen will, so geht das - bei einem 60cm-Becken - folgendermaßen sehr gut: Zuerst läßt man mit einem Schlauch, an welchem ein Brillant Filterschwamm befestigt ist das Wasser ab. So wie auf dem Foto links, der Schwamm muß auf der ganzen Länge mit der Riffelung nach unten aufliegen! Diese Riffelung ist sehr gut, sie hat sich in vielen Jahren als vorteilhaft erwiesen. Saugt man das Wasser mit so einem Schwamm ab, so bleiben immer noch einige Millimeter im Becken. Jetzt nimmt man das ganze Aquarium und gießt das restliche Wasser samt Fische über eine Ecke in einen Fischfangtopf. Dieser Topf darf nicht zu klein sein. Bei uns waren es 2 und 3-Liter Töpfe. Natürlich nicht „mit Schwung”, sondern vorsichtig und eher an die Topfwand als in die Mitte des Topfes. Mit einiger Übung hält man das Aquarium mit der einen Hand und gießt mit der anderen noch etwas Wasser zum spülen in das Becken. So werden auch noch eventuell verbliebene Fischchen herausgespült. Manchmal bleiben welche am Schwamm hängen, da taucht man den Schwamm dann kurz in den Topf. Diese Prozedur hört sich hart an, die kleinen Fische vertragen so ein Umsetzen in der Praxis aber sehr gut! Es ist überhaupt so, daß junge Fische bedeutend robuster sind als ihre Kleinheit vermuten läßt. Damit meine ich Wasserwechsel mit unterschiedlichem Leitwert und rauh anmutende Behandlung beim umsetzen. Was sie nicht vertragen ist eigentlich nur ein schlechtes Aquarium. Ist das Wasser und das Aquarium in Ordnung, so gibt es keine Ausfälle. Die gibt es nur, wenn der Aquariumboden zum vergammeln anfängt und sich darauf gar Pilz ausbreitet oder das Aufzuchtaquarium eben anderweitig verkommt. Letztlich also immer wegen Hälterungsfehlern!

Erstellt: Juli 2007 Überarbeitet, ergänzt: April 2010
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