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Ozon in der Aquaristik

Spektrum 

 

 

Der Einsatz von Ozon in der Aquaristik


Mitte der 60er Jahre habe ich mit Ozon angefangen - da habe ich das erste Gerät gekauft. Und obwohl ich Ozon seit dieser Zeit nicht dauernd, sondern nur zeit- und auch mehr versuchsweise eingesetzt habe möchte ich sagen, daß ich ziemlich viel Erfahrung mit Ozon habe. Ich habe im Laufe der Jahrzehnte einiges ausprobiert.
Fotos und technische Angaben zu Ozongeräten gibt es auch unter Technik/Geräte/Ozonisator.

 

Ozonreaktor, wie wird Ozon im Aquarium angewendet
Vorteile von Ozon, oder was kann Ozon
Was kann Ozon nicht
Ozongeräte haben bei trockener Luft mehr Leistung
Zusammenfassung

 

Ozon besteht aus drei Sauerstoffatomen und wird durch Hochspannung erzeugt. (In der Natur auch, da riecht es manchmal nach einem Gewitter nach Ozon.)
Allgemein wird geschrieben, daß Ozon ein Reizgas ist und es soll bei erhöhter Konzentration zu Augenreizungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Unwohlsein usw. führen. Es soll bereits in so geringer Menge schädlich sein die man noch gar nicht  riechen kann. Bei hohen Konzentrationen soll Ozon sogar „giftig” sein.
Das mag in kleinen Räumen möglich sein, ich habe davon in einigen Jahrzehnten nichts bemerkt und ich habe auch nie Kopfschmerzen oder irgendwelche Probleme bekommen. Ozongeruch ist dermaßen penetrant, daß man eine „Überdosierung” sofort bemerkt. Ein „ganz bißchen” Ozongeruch empfinde ich durchaus als angenehm - das wird natürlich individuell verschieden wahrgenommen werden. Es ist also nicht so, daß man vor dem „nicht ungefährlichen Ozon” Angst zu haben braucht. Sollte jemand wider Erwarten auf Ozon empfindlicher reagieren so kann er das obere Ende des Kontaktrohres (siehe weiter unten) verschließen, ein Luftröhrchen hineinkleben - oder Nippel einschrauben - und die Abluft nach draußen leiten. Dann gibt’s garantiert kein Kopfweh!
Ozon ist es aber auch kein Wundermittel! Es erhöht ganz einfach das Redoxpotential des Wassers. Und da in der Aquaristik ein hohes Redoxpotential meistens von Vorteil ist kann Ozon in vielen Fällen auch recht gut sein. (Ein niedriges Redoxpotential ist nur in einem Denitrifikationsfilter erwünscht).
Ozon kann man nicht „lagern” oder irgendwie „konservieren”, man muß es immer an Ort und Stelle erzeugen. In der aquaristischen Praxis wird ein Ozongerät zwischen Luftpumpe (kleines Gerät = Membranpumpe, großes Gerät = Verdichter oder ähnliches) und einen Ausströmer geschaltet. Selbstverständlich ist darauf zu achten, daß weder Wasser in das Ozongerät noch ozonhaltige Luft in die Membranpumpe zurück gelangen kann und zweitens die Schläuche „ozonfest” sind, (meine Luftschläuche aus Kunststoff sind alle ozonfest, Gummischläuche wird wohl kaum noch einer haben!) Sollte ozonhaltige Luft in die Membranpumpe gelangen, so sind zumindest die Gummimembranen und bei einer Wisa der Schaumstoff fällig, da beides durch Ozon zerstört wird. Man baut also am besten ein gutes Rückschlagventil nach der Membranpumpe ein. Ein kleiner „Luftkessel” (oder auch „Druckdose” genannt) mit vielleicht 100 - 200 ccm oder auch mehr Volumen ist auch kein Fehler, er verringert oft das Brummen der Pumpe. Installiert man so einen „Luftkessel” an der höchsten Stelle der Luftleitung ist er nebenbei der beste Rückflußverhinderer.
Obwohl man überall lesen kann, daß man mit Ozon den Sauerstoffgehalt des Wassers nicht direkt erhöhen kann, so doch zumindest indirekt, da sich ein hohes Redoxpotential nicht mit einem Sauerstoffdefizit vereinbaren läßt.


Ozonreaktor, wie wird Ozon angewendet
Ozon soll man nicht direkt im Aquarium anwenden. Das heißt, daß man nicht einfach einen Ausströmer mit ozonisierter Luft ins Aquarium geben sollte. Man verwendet dazu ein sogenanntes Kontaktrohr. Dieses Rohr kann sich im oder außerhalb des Aquariums befinden.
Es steht hier absichtlich sollte, denn ich habe es schon oft direkt mit einem Ausstömer ins Aquarium eingeleitet. Es ist nie etwas „passiert”.
Ein „richtiges” Ozon-Kontaktrohr ist ein Rohr mit einem Ausströmer darin, die Größe des Rohres richtet sich nach dem Bedarf. Früher bei Seewasser waren das durchaus bis 16cm Durchmesser und 100cm Länge. Es hat oben einen Zu- und unten einen Ablauf, vor oder im Ablauf befindet sich normale Filterkohle. Diese Kohle dient als Katalysator und sorgt dafür, daß kein Ozon direkt ins Aquariumwasser gelangt. Je nach Bauart ist die Kohle mit Kies abgedeckt oder in einem extra „Abteil”, sie darf nämlich auf gar keinen Fall vor dem Auslauf mit ozonhaltigem Wasser in Berührung kommen oder gar im Kontaktrohr herum gewirbelt werden, da dann das Ozon sofort neutralisiert werden würde. Ende der 60er und Anfang der 70er hatten wir solche Kontaktrohre häufig in Seewasseraquarien.

INitratfiltersaeule_neben_VA_Wanne_Thn den letzten Jahren habe ich eine andere Vorrichtung verwendet.
Ich habe ganz einfach ein 200 cm langes und 10 cm dickes Plexirohr genommen und unten mit einem feinen Ausströmer (Holz oder Keramik) Ozon hinein geleitet. Oben - genauer im oberen Drittel - kam Aquariumwasser hinein und unten lief es wieder heraus. Durch den unten angebrachten Ausströmer wurde das Wasser im Gegenstrom genügend mit dem Ozon-Luftgemisch verwirbelt.
Auf dem Bild rechts ist dieses Plexirohr in der Mitte zu sehen, ein kleiner Teil des Filterwassers lief immer durch das Ozonrohr. (Die beiden Säulen links und rechts haben mit Ozon nichts zu tun gehabt. Rechts die Versuchssäule zum Nitrat entfernen, siehe hier. Ganz rechts die - leere - 1000L-Versuchs-VA-Wanne, die PE-Tonne rechts dahinter war der Filter - jedenfalls ein Teil vom System) Dabei habe ich festgestellt, daß Ozon gar nicht so aggressiv ist: In dem Plexirohr haben sich nämlich ganz kurze verschiedenfarbige Algen gebildet - und zwar mitten in der ozonisierten Zone.
Will man wegen möglicher zu starker Ozonbelastung der Raumluft ganz sicher gehen, so kann man das Ozonrohr oben verschließen und die Ozonabluft ins Freie leiten. Zwar nicht sehr elegant aber einfach geht das mit einem Plastikbeutel und einem Gummiring. Die Röhrchen für Zu- und Abluft klebt man dann oben in die Rohrwandung ein.

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Vorteile von Ozon, oder was kann Ozon:
1.)
  Bekanntlich bekommt älteres Aquarienwasser einen Gelbstich. Dieser Farbstich wird durch Ozon zerstört bzw. er entsteht erst gar nicht. Ozonisiertes Wasser ist immer kristallklar. Es wird so klar, daß es den von Seewasser bekannten Blaustich bekommt. Das kann aber im Extremfall dazu führen, daß man eine “kristallklare Brühe” im Aquarium hat, da diese „Klarheit” eben nur optisch ist lachen-transp. Allerdings wird nur der organische Gelbstich von altem Aquariumwasser entfernt, andere Farbstoffe werden von Ozon in der Regel nicht angegriffen!
2.)   Fische wachsen schneller. Offenbar ist Ozon in der Lage Stoffe die das Wachstum der Fische hemmen zu vernichten.
3.)   Schläuche und Pumpenköpfe bekommen keinen Belag und müssen nicht mehr so oft gereinigt werden. Somit ist die Pumpenleistung höher und immer konstant. Dieser Belag in den Schläuchen entsteht natürlich nur, wenn das System auch belastet ist. In einem unterbesetzten Aquarium hält sich dieser Belag in Grenzen. In der VA-Versuchs-Wanne - mit 1.000 (eintausend!) mittleren Kongosalmlern besetzt - mußte ich ohne Ozon das Pumpengehäuse innen mindestens jede Woche reinigen, mit Ozon praktisch überhaupt nicht mehr.
4.)   Das Redoxpotential wird erhöht. In einem ozonisierten Behälter gibt es keine grauen oder braunen Bartalgen, sie sind - wenn überhaupt vorhanden - immer schön grün. Dann sieht so ein grüner Teppich sogar richtig gut aus!
5.)   Wenn ein geringer Ozonüberschuß in der Luft ist, riecht es nicht mehr (nach anderem). Selbst der Gestank einer toten Schnecke wird neutralisiert. Er ist nicht mehr wahrzunehmen. Diese Beobachtung haben wir bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit (100%) gemacht, da ist der menschliche Geruchsinn bedeutend empfindlicher als bei normaler Luftfeuchtigkeit von vielleicht 40 - 60%.

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Was kann Ozon nicht:
Ozon ist kein Wundermittel, man kann mit Ozon nicht verhindern, daß Fische krank werden können. Man kann also mit normalen Geräten keine Aquarien sterilisieren. Das ist aber auch gar nicht der Sinn der Sache.
Heute wird manchmal Trinkwasser mit Ozon keimfrei gemacht, dazu sind jedoch sehr leistungsfähige und teure Geräte notwendig.

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Ozongeräte haben mir trockener Luft mehr Leistung.
Die Geräte erzeugen mehr Ozon, wenn die zugeführte Luft trocken ist. Das kann man mit Silkagel erreichen.  Der Aufwand ist allerdings recht groß. Ich habe dazu eine Plexisäule mit 10cm Durchmesser und vielleicht 50 cm Höhe genommen, oben nur mit aufgelegtem Deckel mit Loch und unten mit einen Harzfänger (siehe Austauscherbau). Die Säule wurde mit Silkagel gefüllt und unten wurde die Luft für das Ozongerät angesaugt. Also: Silkagel - Luftpumpe mit Ansaugnippel (z.B. Wisa) - Ozongerät. Zwar habe ich den Unterschied der erzeugten Ozonmenge zwischen normaler Luft und getrockneter Luft nie gemessen (ich hätte es auch nicht gekonnt), er war aber durchaus da. Man hat es am verstärkten Geruch bei gleichen Einstellungen sofort wahrgenommen. Aber wie gesagt ist der Aufwand recht groß. Das Silkagel ist schnell erschöpft und muß im Backofen (150° - 200°) regeneriert werden. Das geht zwar gut und schnell, da man am Farbumschlag sofort den Zustand des Silkagels erkennen kann, es macht aber trotzdem Umstände. Und das Silkagel ist auch nicht umsonst.

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Zusammenfassung
Der Kommerz bescheinigt Ozon in der Aquaristik noch weitere Vorteile, so soll z.B. Nitrit zu Nitrat oxidiert werden. Andererseits soll - laut Hückstedt - Ozon aber auf gar keinen Fall in neu eingerichteten Aquarien verwendet werden - und nur da wäre es interessant. In alten Becken macht Nitrit keinen Ärger. Schaut man also genauer hin, so bleibt von den Vorteilen im Süßwasser nicht so viel übrig. Deshalb bin ich der Meinung, daß Ozon in guten eingerichteten Wohnzimmeraquarien keinerlei Vorteile bringt. Wirkliche Vorteile sind nur in der intensiven Zierfischzucht oder in überbesetzten Aquarien zu erwarten. Da kann man Ozon wirklich gebrauchen.

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Juni 2007
Überarbeitet, ergänzt:
September 2007, Juni 2010
 

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