Logo_143

 

Wieviel füttern ?

Balken_Futter 


Das ist wahrscheinlich die wichtigste Seite der ganzen Homepage.


Das wirkliche Problem der Aquaristik besteht nämlich darin, daß zu viel gefüttert wird!
(Vielleicht gehört hier noch der grundlegend falsche Besatz dazu, oder einzelne zu große Fische die nicht ins restliche Aquarium passen.)

Über alles kann man diskutieren oder andere Meinungen haben. Es ist letztlich nicht entscheidend, welcher Bodengrund genommen wird, welche Aquariengröße, was für ein Filter(system) oder Beleuchtungssystem, welche Röhrenfarbe, wie lange beleuchtet wird, auch die Wasserhärte  und die Temperatur sind in Grenzen nicht so wichtig, es ist auch nicht so gravierend, wenn nicht so oft so viel Wasser gewechselt wird. Mit den verschiedensten Methoden kann ein Aquarium jahrelang gut funktionieren!

Das einzige wirklich wichtige, wo die meisten Fehler gemacht werden und an dem die Aquaristik sehr oft scheitert ist die Tatsache, daß viele Menschen kein Gespür dafür haben, wieviel sie füttern sollen oder besser dürfen!

Bei einem gemischten Besatz ist das zugegebenermaßen auch nicht ganz einfach. Es sollen einerseits die schnellen Fische, die zuerst am Futter sind  nicht zu viel und andererseits die scheuen und die Bodenfische auch etwas bekommen. Das ist aber nicht das eigentliche Problem.
Das Problem liegt darin, daß speziell die meisten Anfänger viel zu viel füttern: Wenn man es wagt etwas dazu zu sagen, kommen Antworten wie: „die Fische kommen immer an die Scheibe, wenn man vor das Aquarium tritt”, und  „sie haben immer Hunger” und „da ich ja ein Tierfreund bin”, muß ich sie dann füttern. Daß diese ewige Fütterei - auch bei anderen Haustieren - keinesfalls etwas mit Tierliebe zu tun hat sondern im Gegenteil reiner Egoismus ist verstehen viele Menschen nicht.
Wenn dann noch einer der größeren Fischfutterhersteller in einer Broschüre empfiehlt, die Fische  3 x - in Worten: drei Mal - täglich zu füttern, so ist das unverantwortlich. Natürlich wird so mehr Fischfutter verkauft - aber auf Kosten der Fische und der funktionierenden Aquaristik!

Daß dieser Absatz - wahrscheinlich auch die ganze Seite - nicht nur auf Zustimmung stößt ist klar, wenn aber nur jeder zehnte Aquarianer nach dem lesen dieser Seite anfängt über das Füttern nachzudenken, dann kann ich mit der restlichen Kritik gut leben! lachen-transp

Jetzt will ich versuchen zu erklären, wie das „mit dem füttern” funktioniert. „Da Gefressenes und Verdautes das Wasser weniger belastet als nichtgefressenes Futter” (schlauer Satz aus der alten Afizucht), darf zuerst ein mal kein Futter übrigbleiben. Ich meine tatsächlich: „kein Futter” - es ist jede Flocke oder jede Mückenlarve, die irgendwo vergammelt zu viel. Man muß bitte bedenken, daß das Wasser - genau genommen das gesamte Bio-System Aquarium - nur durch das Futter bzw. die Ausscheidung der Fische - also wiederum „das gefressene Futter” - belastet wird. Abgestorbene Pflanzen gibt es nur in Gammelbecken, jedes normale Aquarium wächst vorwärts, nicht rückwärts! (Natürlich stirbt immer mal ein Blatt ab oder so, das fällt aber nicht ins Gewicht.) Somit werden sogar bedingt gelöste Stoffe aus dem System entfernt. Das kann man an dem sinkenden Leitwert in einem guten nicht überbesetzten Wohnzimmeraquarium leicht feststellen!

Wenn man es ganz genau nimmt so belasten auch im Aquarium gewachsene Algen und Kleinsttiere welche von den Fischen gefressen werden - oder auch so sterben - das Wasser. Also auch Organismen, die nicht direkt etwas mit dem Futter zu tun haben. Das ist aber nur ein Bruchteil der orgnischen Belastung des Aquariums und er fällt somit nicht ins Gewicht. Deshalb diese Erklärung nur der Ordnung halber und für diejenigen, die überall ein Haar in der Suppe finden - wollen.  zwinkern-transp_grau
 

Wie man es auch dreht und wendet:
Es bleibt nur das Futter als Belastungsfaktor übrig!
Also: Je weniger gefüttert wird, desto weniger wird das Aquarium belastet, desto weniger Wasserwechsel muß gemacht werden, desto klarer und sauberer ist das Aquarium usw. usw. (Und desto weniger verdient der Handel, was diesem wiederum nicht gefällt - also müssen die Fische wieder mehr gefüttert werden)!

Aber wieviel muß nun gefüttert werden? Das kommt darauf an! Wenn man junge Fische aufzieht, dann muß man füttern, und zwar füttern, füttern, füttern. Das ist die eine Seite, wenn man ausgewachsene oder eben schon größere Fische hält - alle Fische die man in einem guten Geschäft kaufen kann gehören hierher -,  dann sollte man so viel oder besser so wenig füttern, daß das Futter in wenigen Minuten völlig aufgefressen ist. (Gestoppte zwei Minuten sind eine lange Zeit!). Und 1 x (ein Mal) füttern pro Tag reicht völlig! Ab und zu kann man auch einen Tag auslassen! Oder an drei Tagen hintereinander nur an zwei Tagen füttern. Man kann bei einem normalen Fischbesatz durchaus 14 Tage ohne Futterautomat nur mit Schaltuhr für das Licht in Urlaub fahren. Man wird sich bei der Rückkehr nur darüber wundern, daß das Wasser so glasklar ist. Da gibt es natürlich auch wieder Einschränkungen: Wenn der Friede in einem Aquarium nur dadurch aufrecht erhalten wird und die Skalare nur deshalb keine Neon fressen, weil sie immer total satt sind, dann muß man die Skalare weiterhin mästen - oder den Besatz besser wählen!
Schwieriger ist das Füttern von Corydoras und anderen Bodenfischen. Die allgemein so beliebten Futtertabletten bestehen meistens aus sehr kleinen Partikeln, die zum Teil im Bodengrund verschwinden oder sich im freien Wasser auflösen, also ist eventuell Flockenfutter oder besser Granulat vorzuziehen. (Siehe eventuell hier). Algenfressende Saugwelse brauchen im normalen Aquarium nicht extra gefüttert werden, außer sie vergreifen sich an den Pflanzen, dann sind aber meistens schon zu viele im Aquarium. Es ist mitunter gar nicht so einfach die richtige Besatzmenge bei algenfressenden Saugwelsen zu treffen.
 


Fazit:
Es ist natürlich wieder ein Mal - wie so oft oder immer -  jedem selbst überlassen was er macht, in diesem Fall wieviel Futter er in sein Aquarium kippt. Aber wenn sein Aquarium dann vergammelt und er jammert, daß das alles so schwierig sei und so viel Arbeit macht, nichts richtig funktionniert, alles veralgt und die Fische immer krank seien, dann ist das einzig sein Problem! Es ginge auch anders! Mir tun da nur die Fische leid!

Aquarianer bei denen 20 Minuten nach dem füttern noch Futter auf dem Aquariumboden liegt sollten sich ernsthaft fragen wozu das gut sein soll.

Sollte Jemand nach diesen Sätzen auf die Idee kommen, daß ich ein gemeiner Mensch sei und meine Fische hungern müssen: Ich habe einen Synodontis nigrita, der bei mir das „Gnadenbrot” bekommt und mir seit ca. 1990 ein 70er blockiert. Dieser Fisch ist inzwischen über 40 - in Worten vierzig - Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit (2009). Nebenbei habe ich einige Millionen Fische mit bester Gesundheit und allgemeiner Verfassung aufgezogen - ohne ausreichendes Futter wäre das kaum gegangen!
 


 

Für den interessieten Leser füge ich hier noch einen Originalabsatz aus der Afizucht ein:
Die besten/schönsten Fische sind die, die in den Filtern bei anderen Fisch-Arten sitzen (Erklärung: aufwachsen). Sie haben allgemein die besten Farben und Flossen und auch eine gute Körperform. Der Grund ist der, daß sie meistens „alleine” in diesem Aquarium sind und wenig Futter bekommen. Alleine heißt: sie schwimmen nicht in den Hemmstoffen der eigenen Art. Wenig Futter heißt, bei wenig Futter entwickeln sich die Flossen besser (offenbar auch die Farben), das ist auch bei Kampffischen im Filter so. Das Gegenteil sind die Fische von L., der nach eigenen Angaben ca. 6x pro Tag füttert, seine Fische sind fett und haben keine guten Farben.”
(Erklärung: L. füttert fast nur Rinderherz, mit fett meine ich in diesem Fall optisch fett, die Form der Fische ist im Verhältnis zur Länge annormal hoch und breit, man könnte auch „mopsig” dazu sagen.)

oben


 

Erstellt: Januar 2006
Letzte Bearbeitung: August 2007
 

 

© 2006 - 2010 Uwe J. Splett, www.afizucht.de